Die Trauer der Buchmessen

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Vom Aufenthalt eines Autors im Ausland erzählt Jan Brandt

Nach seinem famosen Debüt „Gegen die Welt“ hat man nicht mehr viel vom Schriftsteller Jan Brandt gehört. Bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und auf Platz 35 der Spiegel-Bestsellerliste hatte er es 2011 mit dem 900-Seiten-Wälzer geschafft, doch danach folgten keine weiteren Bücher. Jetzt hat der 1974 in Leer geborene Brandt endlich nachgelegt, allerdings mit einem Werk, das sich schwer einordnen lässt. Der studierte Journalist berichtet in „Tod in Turin“ von seinen Lesereisen, einem Aufenthaltsstipendium in London und von drei Tagen, die er in Turin auf der Buchmesse verbracht hat, um dort die italienische Übersetzung seines Erstlings zu präsentieren.

Mit Romanen und Erzählungen geht es nicht voran, also schreibt der Schriftsteller über sein Dasein als Schriftsteller – könnte man nun spötteln, doch ganz so einfach ist es nicht. Insbesondere im ersten Teil des Buches berichtet Brandt mit viel Verve wie Witz von seinen Lesungen und den vier Wochen in London, wo er gemeinsam mit dem Autorenkollegen David Wagner Flohmärkte, Parks und Pubs besucht.

Erzählt ist das Ganze in einem leicht satirischen Ton, der amüsant daherkommt, jedoch im zweiten Teil deutlich an Drive verliert, denn trotz einiger humoristischer Momente schleicht sich eine gewisse Ernsthaftigkeit ein. Inmitten Tausender Bücher empfindet der Autor auf der Messe seine eigene Bedeutungslosigkeit, allerdings genießt er zugleich die Gespräche mit Kollegen über die Literatur, das Fremdsein, das Schreiben und den Kulturbetrieb. Vor allem dieser Gedankenaustausch zwischen den Schriftstellern verleiht dem literarischen Bericht aus Turin an manchen Stellen eine feine Tiefe, auch wenn das Buch als Ganzes ein wenig unentschieden wirkt und durchaus ein wenig Straffung hätte vertragen können.

Jan Brandt: Tod in Turin. Dumont, Köln. 300 Seiten, 19,99 €.

(29.5.2015)

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Eingeordnet unter Rezensionen - Bücher 2015

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