Monatsarchiv: Mai 2017

Hauptsache, die Pointen sitzen

Und so war es in diesem Jahr mit Heinz Strunk alias Jürgen Dose.

Bei der Vorstellung seines neuen Romans im Bremer Schlachthof füttert Heinz Strunk sein Publikum mit Gags und komischen Einlagen

Als Heinz Strunk im vergangenen Jahr mit seinem Roman “Der goldene Handschuh“ auf Lesetour war, konnten jene Zuhörer, die das Buch bereits gelesen hatten, Zeugen einer sonderbaren Verwandlung werden. Strunk präsentierte eine auf 90 Minuten eingedampfte und pointengeschwängerte Zusammenfassung seiner an sich düsteren True-Crime-Story über den Serienmörder Fritz Honka. Von der eigentlich einfühlsamen Milieustudie blieb in der Lese-Fassung nicht viel übrig. Offenbar hatte der Entertainer vermeiden wollen, dass die Fans seines bisher eher humoristischen Werks („Fleisch ist mein Gemüse“, Studio Braun, Fraktus) enttäuscht sein könnten. All jenen, denen „Der goldene Handschuh“ selbst in der klamaukigen Lese-Fassung noch zu harter Tobak war, versprach Strunk abschließend, dass sein nächstes Buch wieder lustiger werde.

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Eingeordnet unter Bremen, Rezensionen - Bücher 2017

Die Strunk-Show

Heinz Strunk ist wieder auf Lesereise. Sicherlich ein Erlebnis, wenn auch manchmal ein recht fragwürdiges – so wie im vergangenen Jahr, als er seinen eigentlich beeindruckenden Roman „Der goldene Handschuh“ in einer Ulk-Performance verhunzt hat.

Verwandlung eines Romans

Hey, Fleisch ist mein Gemüse“, so habe ihn vor Kurzem irgendein Fremder in der Kneipe angequatscht. Ohne Begrüßung oder Anrede habe der ihm einfach nur den Titel seines Erfolgsromans an den Kopf geworfen, erzählt Heinz Strunk zu Beginn seines Auftritts im Bremer Schlachthof. Ihm selbst behagt das nicht, auf ein Buch reduziert zu werden, dessen Veröffentlichung bereits zwölf Jahre zurückliegt. Allerdings war sein stark autobiografisch gefärbtes Debüt ein Besteller, der sich eine halbe Million Mal verkauft hat und 2008 verfilmt wurde. Dieses Buch ist der Ausgangspunkt für die Erfolge des Musikers, Entertainers und Schriftsellers, der mit bürgerlichem Namen Mathias Halfpape heißt. Mittlerweile kennen ihn viele auch durch seine Auftritte bei Extra 3, die Telefonstreiche mit Studio Braun oder aus der Fake-Dokumentation „Fraktus“.

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Schrulliger Wuselkopf

Äußerst gewitzt erzählt Anne Weber von einem modernen Taugenichts

Jemand, der bevorzugt auf seinen Händen in der Öffentlichkeit herumspaziert, seine Miete mit Muscheln bezahlen will und sich liebend gern mit Schwalben, Akazien oder Briefkästen unterhält – so jemand darf sich nicht wundern, wenn man ihn als schrägen Vogel bezeichnet. Genau solch ein schräger Vogel ist Kirio, der äußerst eigentümliche Held in Anne Webers gleichnamigen Roman, der in diesem Frühjahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Den Preis hat zwar wer anders bekommen, aber Kirio würde das ganz sicher nicht kratzen, denn Auszeichnungen sind ihm vermutlich so schnuppe wie Geld, Karriere oder Schulterklopfer des Präsidenten höchstpersönlich. Als das Staatsoberhaupt ihm die Schulter tätschelt, ist Kirio allerdings auch just mit Tischfußball beschäftigt, hat also Besseres zu tun – auch wenn er sich zu jenem Zeitpunkt gerade in der Psychiatrie aufhält. Freilich ist der Aufenthalt bloß temporär, denn so einen Wuselkopf, den hält es nirgends lange. Mal lebt er in der freien Natur in einer Höhle, mal in einer Achtquadratmeter-Dachgeschosskammer in der Stadt und dann eben eine Weile in einer staatlichen Einrichtung.

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Illegale Lebenszeichen

Der deutsch-irakische Autor Abbas Khider schickt in seinem Episodenroman „Brief in die Auberginenrepublik“ eine geheime Botschaft durch die arabische Welt des Jahres 1999.

Mit dem Arabischen Frühling blühte die Hoffnung auf, die arabische Welt könnte ihre Despoten abschütteln und sich Richtung Demokratie bewegen. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt, der eine oder andere Diktator wurde zwar aus seinem Palast gejagt, doch statt Demokratie folgte Instabilität: Tunesien ringt um eine Verfassung, Libyen kämpft mit Milizen, in Ägypten herrscht das Militär und in Syrien wehrt sich Assad mit allen ihm zur Verfügung stehenden Waffen gegen den drohenden Machtverlust. Ob ihn ein ähnliches Schicksal ereilen wird wie Ben Ali, Gaddafi, Mubarak oder Saddam Hussein, wird sich noch zeigen.

Von einer Zeit, in der diese Tyrannen noch sicher im Sattel sitzen, erzählt der deutsch-irakische Autor Abbas Khider in seinem Roman „Brief in die Auberginenrepublik“. Der Titel des Buches bezieht sich auf den Spottnamen, der Ende der 90er Jahre im Irak die Runde macht. Zu dieser Zeit ächzt das Land unter dem verhängten Handelsembargo. Wie so oft leidet vor allem die einfache Bevölkerung – Essbares ist rar, allein Auberginen gibt es en masse. Die Ehefrauen bemühen sich daher, aus dieser Eierfrucht diverse Gerichte zu kreieren: „Auberginen-Bällchen, Auberginen-Suppe, Auberginen gekocht, gegrillt oder gebraten.“

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Anekdoten-Potpourri

 

Tex Rubinowitz hat nichts zu erzählen und macht das zum Thema seines Romans

Autoren, die nichts mehr zu erzählen haben, sind arme Würstchen. Wer nichts zu erzählen hat, kann das Veröffentlichen von Büchern vergessen. Sollte man zumindest meinen. Dass man es dennoch versuchen kann, zeigt aktuell der 1961 in Hannover geborene Zeichner, Musiker und Schriftsteller Tex Rubinowitz in seinem Roman „Lass mich nicht allein mit ihr“. Bereits sein letzter Roman „Irma“ ist vielmehr ein munteres Anekdoten-Potpourri als tatsächlich Roman (zudem soll Rubinowitz angeblich einige Passagen nahezu wortgleich aus Wikipedia-Artikeln stibitzt haben). Die Kunst des Abschweifens und der Anekdotenaneinanderreihung hat der Bachmannpreisträger des Jahres 2014 nun geradezu perfektioniert. Offen gesteht er (beziehungsweise sein Icherzähler) ein, dass er mit seinem Lektor im Clinch liege, da er nichts mehr zu erzählen habe – und macht dies zum Thema seines Buches. Er berichtet von Streitgesprächen über seine Exposés, schweift in sexuelle Fantasien ab, schwadroniert über ABBA und andere Bands, streut einen Schwank aus seiner Kindheit ein und verheddert sich in teils larmoyanten Selbstreflektionen. Und dann gibt es da ja noch die Schauspielerin Anja Kruse, für die der Icherzähler eine Obsession entwickelt, weil sie quasi seinen Roman retten soll, indem er sie zur Hauptfigur seiner bisher nicht vorhandenen Geschichte machen will. Eine Schnapsidee, die natürlich zum Scheitern verurteilt ist und auch seinen Lektor nicht überzeugt.

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Himmel oder Hölle

Zwischen einem Wunder und Dante bewegt sich Sibylle Lewitscharoffs Roman

Was soll man von einem Literaturwissenschaftler halten, der behauptet, alle seine Kollegen seien während eines Kongresses zum Himmel aufgefahren? Vermutlich hielte man ihn für verrückt – auch er selbst schwankt hin und her, ob er die Himmelfahrt tatsächlich miterlebt hat oder nicht doch übergeschnappt ist. Und so sitzt Professor Gottlieb Elsheimer nun in seiner Frankfurter Wohnung und rekapituliert in einem inneren Monolog die Ereignisse jenes Mai 2013. An diesem Pfingstwochenende hat sich der Dante-Experte mit anderen internationalen Größen seiner Zunft im Saal der Villa Malta auf dem Römer Aventin versammelt, um sich ausgiebig Dantes „Göttlicher Komödie“ zu widmen.

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