Monatsarchiv: April 2019

Zu Besuch bei der alten Dame

Notre Dame1

Tagebuchnotiz 6, Paris, Juli 2010

Auf der Île de la Cité. Vor mir: Notre-Dame mit ihren beiden Türmen. Imposant!. Auch die Schlange vor dem Hauptportal. Reihe mich trotzdem ein. Notre-Dame muss sein! Denken vermutlich auch all die anderen. Drinnen im riesigen Kirchenschiff erhabene Schönheit, viel Altehrwürdiges, Kunstschätze und Reliquien, riesige Fensterrosetten. Geschichte pur in jeder Pore, aber kein Ort der Stille. Eine ruhelose Kathedrale. Alles verstopft mit diesen elenden, vor sich hinmurmelnden, mit Mobiltelefonen bewaffneten Touristen. Ich gehöre natürlich nicht dazu (bin schließlich ein kulturinteressierter Flaneur, der sogar ein analoges Notizbuch aus Papier – ja, Papier! – besitzt; außerdem recherchiere ich selbstredend für meinen fulminanten Parisroman beziehungsweise für eine Erzählung, in der Paris … bla, bla, bla … ). Ein Dilemma. Alles. War schon in Sacré-Cœur so. Überall Trubel. Am liebsten ist mir Paris abseits der populären Plätze – in den kleinen Seitenstraßen, auf dem Trottoir vor einem Café, an einer leicht abseitigen Stelle am Seine-Ufer, auf den Stufen einer versteckten Treppe in Montmartre … Weit, weit über mir, das Gewölbe! Dieser Raum! Diese Weite! Gigantisch!

Wieder draußen vor der Kathedrale der mühselige Versuch, mit meiner alten Knipse die kolossale Dame ins Bild zu rücken, möglichst ohne Menschen, die dazwischenlatschen. Könntet ihr mal alle zur Seite gehen, bitte!

Am Ende ein Foto aus der Halbdistanz, geschossen unter den Blättern eines freundlichen Baumes.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Schnipsel

Milchbartänze

Blumenthal18

Kurz nach der Jahrtausendwende steigt ein Punk mit grün-blauem Irokesenschnitt und Nieten-Lederjacke im Bermudadreieck auf den Tresen der Milchbar, wo heute das Urlaub ist, und tanzt zu den Sex Pistols. Eine Punkerin schreit vom anderen Ende des Tresens „Ausziehen!“ und der Punk lässt sich nicht zweimal bitten, streift die Lederjacke ab, öffnet den Nietengürtel, zerrt sich das T-Shirt vom Leib, öffnet Knopf und Reißverschluss seiner löchrigen Jeans. Alle Punks grölen, feuern ihn an, der Barkeeper – selbst Punk – dreht die Musik lauter. Die Hose hängt in den Kniekehlen, dann über den Doc Martens, die der Punk noch nicht ausgezogen hat, vielleicht auch gar nicht ausziehen will, vielleicht niemals auszieht (nicht einmal im Bett oder unter der Dusche).

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Schnipsel

Ende der Pause – Neujustierung

Marseille17

Nichts ist mehr passiert, hier auf meinem Blog, in den vergangenen vier Monaten. Das muss sich ändern, das soll sich ändern, das wird sich ändern. Allerdings wird der Blog sich dabei vermutlich auch verändern. Die (teils recht ausführlichen) Buchbesprechungen werden nur noch am Rande auftauchen, dafür wird es mehr andere Texte geben – literarische Schnappschüsse, Storys und Schnipsel, Berichte, Miniaturen und kurze Erzählungen. Das zumindest ist das Vorhaben; ob es dann tatsächlich so wird … wer weiß … Aber auf jeden Fall wird wieder mehr passieren!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Blog