Monatsarchiv: Februar 2020

Schnappschuss mit Auto

Es ist Donnerstagnacht. Bis eben haben wir getanzt. Marc und ich in der Indie-Disco, die jeden Donnerstag in dem Großraumschuppen stattfindet, den wir sonst eigentlich meiden, aber so oft wir können ansteuern an dem Indie-Donnerstag. Der letzte Song, zu dem wir getanzt haben, ist Peaches gewesen von The Presidents of the United States of America. „Movin‘ to the country, gonna eat a lot of peaches, movin‘ to the country, gonna eat me a lot of peaches … Millions of peaches, peaches for me, millions of peaches, peaches for free. Look out!”

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kein gedicht – kein gesuch

ich habe meinen verstand
verloren
wer hätte das ahnen können
es ist ein wenig traurig
aber was soll ich tun
weg ist weg

vor ein paar jahren
auf einem parkplatz
zwischen einem mülleimer
und einem einkaufswagen
habe ich meinen verstand
verloren
und es erst stunden später
bemerkt
zuhause
bei der zeitungslektüre
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Die letzte Videothek

Es gibt Orte, die bleiben, und man wundert sich, dass sie bleiben. Orte wie die Videothek in der Kornstraße, die immer noch da ist, obwohl inzwischen alle streamen. Erhebt sich heutzutage noch irgendwer freitag- oder sonntagabends vom Sofa und schleppt sich durch die Stadt, um in einem muffigen, mit DVD-Hüllen vollgestopften Kabuff umherzuirren, bis er endlich fündig geworden ist? Schwer vorstellbar, und doch sehe ich zuweilen, wie Menschen die Videothek betreten oder verlassen. Sie sorgen gemeinsam dafür, dass dieses Relikt am Leben bleibt und beharrlich dem Fortschritt trotzt. Eigentlich ein sympathisches Unterfangen, das es zu unterstützen gilt, denke ich und gehe Woche für Woche vorüber an dem Schaufenster, bis ich schließlich eines Tages dringend einen Film sehen muss, der in den unendlichen Weiten des Internets nirgends zum Streamen zur Verfügung steht. Das ist die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe.

Am einem milden Dezemberabend verlasse ich meine Wohnung, spaziere die Straße hinunter, steuere die Videothek an und finde dort tatsächlich nach zwei oder drei Minuten den gesuchten Film, der für eine Leihgebühr von einem Euro zu haben ist.

Während der Angestellte hinterm Tresen mir ein Konto einrichtet und einen Leihausweis erstellt, schaue ich mich ein wenig um und entdecke dabei die aufgehängten Schilder: Alles muss raus!

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