Monatsarchiv: Juli 2017

Urlaubsstillleben in Zeitlupe

In der Morgensonne auf einem Korbstuhl am See sitzen und zum Butterkipferl einen Milchkaffee schlürfen, während die Spatzen auf Krümel hoffend zwischen den Stuhlbeinen herumhopsen und südostasiatisch anmutende Touristinnen auf der Seepromenade mit ihren Smartphones Selfies von sich knipsen.

 

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Gedankengestöber in Rom

F. C. Delius sitzt neben dem Papst und entromantisiert die Ewige Stadt

Ein März-Sonntag im Jahr 2011. Ein deutscher Archäologe, der sich inzwischen als Fremdenführer verdingt, legt vor seiner nächsten Tour eine Verschnaufpause ein. Er setzt sich in die letzte Reihe einer evangelischen Kirche und entdeckt in der Bank neben sich – den Papst. Unauffällig gekleidet, „ohne seine autoritätsverheißende Tracht“, sitzt der Stellvertreter Gottes da und betet vor sich hin. Sogleich ist der „pensionierte Scherbenputzer“ in seinem Element und beobachtet mit verstohlenem Blick die linke Hand des Papstes wie ein antikes Fundstück, dessen Oberfläche er zu lesen versucht. Der Anblick der berühmten Hand setzt in seinem Kopf ein Assoziationsrauschen in Gang: Er sinniert über die Rolle des Papstes, durchstreift im Geiste die Ewige Stadt, rekapituliert hanebüchene Episoden der Kirchengeschichte und dekonstruiert en passant das romantisierende Klischee, das sich Rombesucher mithilfe von Fellini-Filmen an der Realität vorbeistricken.

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Softeis-Visionen

 

Ein bulliger, knapp vierzigjähriger Typ in Bluejeans, grau-blauem Pulli und mit blondiertem Bürstenhaarschnitt baut in der Morgensonne mit routinierten Handgriffen seinen Softeis-Stand an der Kreuzlinger Seepromenade auf, während weit darüber, am wolkenlos blauen Himmel, ein weißer Zeppelin schwebt – mit einem in grünen Großbuchstaben leuchtenden Werbeslogan auf seiner linken Flanke:

VISIONEN LEBEN!

 

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Betrinktempo

 

„Das Leben ist kurz; wer sich betrinken will, hat keine Zeit zu verlieren.“

[Arno Schmidt: Kühe in Halbtrauer]

 

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