Archiv der Kategorie: Blog

Der Himmel über dem Bonbonhäuschen

Gärten ohne Bonbonhaus

Früher war es noch schöner! Da konnte ich im Winter aus meiner Neustädter Dachbude die Sonne hinter dem Bremer Flughafen versinken sehen. Vor ein paar Jahren entdeckte jedoch ein Investor den verwilderten Garten gegenüber und stopfte die Baulücke mit einem bonbonfarbenen Reihenhaus. Wo früher ein mächtiger Magnolienbaum blühte, ein Igel seine Runden drehte und ein Eichhörnchen von Ast zu Ast hüpfte, ordnet heute hinter einem Gartenzäunchen ein runder Reihenhausbewohner mit Harke und Schaufel sein Blumenbeet, während die dauergewellte Gattin das Weiß der Haustür poliert und ihr Pekinese kläffend und Schwänzchen wedelnd um sie herumtänzelt.

Das alles ist drollig anzuschauen, aber am besten ist es immer noch, von meinem Sessel aus am Bonbonhäuschen vorbei in die grünen Hintergärten und im Winde wippenden Baumkronen zu blicken, dem Vogelgezwitscher und Kreischen der Möwen zu lauschen oder mir die Sommersonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Auch nachts ist der Fensterplatz exquisit: Da schlummert mein Viertel und die Hardenbergstraße streckt sich einsam in die Länge, nur hin und wieder torkelt ein Nachbar, von der Eckkneipe kommend, seiner Souterrainbehausung entgegen und zersingt die Stille, die sonst allein die Kirchturmglocke oder die Trommler vom Werdersee durchbrechen.

Will ich am Tage das Reihenhaus komplett ausblenden, fläze ich mich rücklings auf mein Sofa, lasse das rote Satteldach unter meiner Fensterbank versinken, schaue den Wolkendampfern zu, wie sie über das Blau in den Horizont hinausschippern, und denke mir: Zu Hause ist es doch am schönsten.

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Mit Wittgensteins Enten am Werdersee

London banks

Zu Füßen des Huckelrieder Friedhofs schlummerte ich am Deich auf dem Ufergrün des Werdersees über Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus, bis mich laute Rufe und Planschgeräusche aus meinem Nickerchen zurück in die Wirklichkeit jenes Sommerabends zerrten. Ich rieb mir die Augen, schaute aufs Wasser und erspähte hinter dem Schilf eine Horde von Aquazentauren – behelmte Kreaturen jagten auf ihrem schwimmenden Rumpf mit einem Paddel bewaffnet einer neongelben Kugel hinterher.

Ich staunte und fragte mich, was genau diese Kreaturen dort drüben trieben. Auskunft erhielt ich von einem Stockentenpärchen, das sich neben meiner Decke in der Sommerabendsonne wärmte und mir verriet, dass es sich bei den Aquazentauren um ganz gewöhnliche Menschen handle, die sich dem – allen Enten suspekten – Kanupolo widmeten.

Ich dankte den beiden für ihre Auskunft, was ihnen zu gefallen schien, denn sie verfielen in Plauderlaune und berichteten allerlei Werderseeanekdoten von manischen Ruderern, Anglern am Morgen, nacktbadenden Pärchen, Gitarrespielern am Lagerfeuer, nächtlichen Elektropartys, Spaziergängern mit unverschämten Hunden, ausufernden Grillfesten und durch die Gegend flatternden Plastikmüll.

Als ich die zwei um eine abschließende Meinung zu den Werderseebesuchern bat, da verstummten sie – nur der Erpel meinte noch: Wovon man nicht sprechen könne, darüber solle man schweigen! Dann nickten sie mir kurz zu, watschelten Richtung Wasser und verschwanden in der Uferböschung.

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Auftakt

Ein großer Schritt für den Autor, ein sehr kleiner Schritt für die Menschheit …

 

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Selbstoptimierung für absolute Anfänger

Eichhörnchen

Wer will das nicht – ein besserer Mensch werden?

Doch mit dem Wollen ist das so eine Sache. Man will ja so vieles: früher aufstehen, sich gesünder ernähren, mehr Sport treiben, eine Fremdsprache lernen, eine Familie gründen, die Karriereleiter erklimmen, den Müll rausbringen …

Doch da ist dieser innere Sesselpupser, der gern in Polstermöbeln versinkt, an schokobestückten Keksen knabbert, sich an Kaffeetassen wärmt und in Magazinen blättert.

Wie kann man diesem Schlaffi bloß Unternehmergeist einbläuen?

Auf die Frage gibt es nur eine ultimative Antwort:

MIT SELBSTMANAGEMENT!

Denn Selbstmanagement ist der erste Schritt zur Selbstoptimierung!

Folglich gilt es, den faulen Sack vom Sofa zu stoßen, die Muskeln zu spannen und einen Ablaufplan fürs neue Leben zu skizzieren.

Und so starte ich von nun an jeden Morgen um 5 Uhr mit 30 Minuten Poweryoga in den Tag, frühstücke ein Schälchen Magerquark mit Frischobststückchen, dusche mich eiskalt und setze mich dann für 45 Minuten zum Chinesischlernen an den Schreibtisch, bevor ich mit dem Rad zur Arbeit aufbreche.

So sieht mein Start in den Tag aus – zumindest laut Plan.

In der Realität entwickeln sich des Öfteren unerklärliche Verzögerungen, die meist bereits damit beginnen, dass der Wecker zu leise klingelt, weshalb ich erst um sieben Uhr erwache, erschrocken aus dem Bett stürze, mir meine Klamotten überstreife, zum Bahnhof hetze und im Zug verschwitzt im Sitz klebe, während ich bei einem Coffee-to-go meine Tages-To-do-Liste leicht umstrukturiere.

Am Feierabend eile ich indes voller Tatendrang nach Hause, wo diverse Tagespunkte abgearbeitet werden wollen.

Bevor ich jedoch an meinem Englischwortschatz werkel, das Bad schrubbe und die Joggingschuhe überstreife, gönne ich mir fünf mickrige Minütchen Entspannung auf dem Sofa … auf dem so gemüüüüütlichen Sofa, in dem man so herrlich versinkt …

Und während mir die Augenlider zuklappen, sinniere ich darüber, was das eigentlich ist – ein besserer Mensch. Vielleicht ist das ja einer, denke ich, einer, der …

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