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Unreparierbare Jahressplitter – VII

Eine Schnipsel-Melange – Juli

Hinter dem Schilf – Lektüredosis & Aquazentauren

Zu Füßen des Huckelrieder Friedhofs schlummere ich am Deich auf dem Ufergrün des Werdersees beim Sinnieren über einen Satz* aus Stephan Thomes „Fliehkräfte“ langsam ein, entschwinde in eine Traumwelt, in die sich Krähenkrächzen, Entengeschnatter und das Triebwerkgrollen aufsteigender Passagiermaschinen mischen, ohne mich zu wecken; erst die von lauten Rufen begleiteten Planschgeräusche zerren mich schließlich aus meinem Nickerchen-Kosmos zurück in die Wirklichkeit jenes Sommerabends.

Ich reibe mir die Augen, blicke mich um und erspähe hinter dem Schilf eine Horde von Aquazentauren auf dem See – behelmte Kreaturen, die auf ihrem schwimmenden Rumpf mit einem Paddel bewaffnet einer neongelben Kugel hinterherjagen.

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Mit Wittgensteins Enten am Werdersee

London banks

Zu Füßen des Huckelrieder Friedhofs schlummerte ich am Deich auf dem Ufergrün des Werdersees über Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus, bis mich laute Rufe und Planschgeräusche aus meinem Nickerchen zurück in die Wirklichkeit jenes Sommerabends zerrten. Ich rieb mir die Augen, schaute aufs Wasser und erspähte hinter dem Schilf eine Horde von Aquazentauren – behelmte Kreaturen jagten auf ihrem schwimmenden Rumpf mit einem Paddel bewaffnet einer neongelben Kugel hinterher.

Ich staunte und fragte mich, was genau diese Kreaturen dort drüben trieben. Auskunft erhielt ich von einem Stockentenpärchen, das sich neben meiner Decke in der Sommerabendsonne wärmte und mir verriet, dass es sich bei den Aquazentauren um ganz gewöhnliche Menschen handle, die sich dem – allen Enten suspekten – Kanupolo widmeten.

Ich dankte den beiden für ihre Auskunft, was ihnen zu gefallen schien, denn sie verfielen in Plauderlaune und berichteten allerlei Werderseeanekdoten von manischen Ruderern, Anglern am Morgen, nacktbadenden Pärchen, Gitarrespielern am Lagerfeuer, nächtlichen Elektropartys, Spaziergängern mit unverschämten Hunden, ausufernden Grillfesten und durch die Gegend flatternden Plastikmüll.

Als ich die zwei um eine abschließende Meinung zu den Werderseebesuchern bat, da verstummten sie – nur der Erpel meinte noch: Wovon man nicht sprechen könne, darüber solle man schweigen! Dann nickten sie mir kurz zu, watschelten Richtung Wasser und verschwanden in der Uferböschung.

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