DSDSS

römisches Hundepaar

 

Das Musikmachen dient dem Menschen als Ausdrucksmittel für seine tiefsten Gefühle: Freude, Liebe, Lust, Melancholie, Kummer, Trauer, Gram, Groll oder Zorn verwandeln sich in Töne, Akkorde, Melodien, Rhythmen, Verse, Refrains, Lieder. Musik kehrt das Innerste des Menschen nach außen.

Das gilt auch für Nazis! Statt mit ihren Kameraden für jedermann sichtbar durch die Straßen zu marschieren, um im Gleichtakt bizarre Parolen zu blöken oder mit Schlagringen auf vorbeihuschende Passanten einzudreschen, versuchen ungeliebte Burschen ohne Frisuren, ihren Hass auf alles, was anders ist als sie, in – na ja – „Musik“ umzuwandeln. Sie malträtieren unschuldige Gitarren, Trommeln und Mikrofone, drehen die Verstärker bis zum Äußersten auf und grölen ihre sonderbar anmutenden Wortketten in eine Welt hinaus, die nicht nett zu ihnen war und nun eines Besseren belehrt werden soll.

Bedauerlicherweise begnügen sich diese rabiaten Volksmusikanten meist nicht damit, ihren zum Klingen gebrachten Dünnpfiff auf klandestinen, als fröhliche Feiern getarnten Nazimusikantenstadl in abgelegenen Etablissements ihren Kameraden vorzuspielen, sondern sie heizen sich damit erst richtig ein: Anschließend lassen sie vor den Augen eines allzu häufig abrupt erblindeten Publikums ihre Fäuste singen. Die Adressaten dieser Faustschläge sind zumeist Menschen, die nicht nur anders denken als die Nazis, sondern vor allem anders aussehen oder sich in einer fremdartigen Sprache mit ihren Mitmenschen verständigen – denn alles, was das Nazihirn nicht begreift, empfindet es als Bedrohung, die es wegzuprügeln gilt.

Indes sind nicht alle Nazis mit Adrenalin aufgepumpte Dumpfbacken, deren Schädel lediglich als Hassmotoren, Rammböcke oder Polierflächen zum Einsatz kommen; ebenso gibt es Exemplare, die ihr Köpfchen zum Pläneschmieden verwenden und an die Zukunft ihrer ach so geliebten Heimat denken. Deshalb zeichnen einige listige Krawalltruppen ihre Klangwirrnis auf, um ihr Liedgut, auf Tonträgern gebrannt, unters Volk zu bringen.

Gerne mischen sie sich zum Anwerben neuer Anhänger – in unauffällige Kleidung gehüllt – in den Morgenstunden auf Schulhöfen unter die Schüler. Statt denen ihre Pausenbrote zu stibitzen oder die Fressen zu polieren, zeigen sich die Nazis mit einem Lächeln auf den Lippen sowie einer kostenlosen CD auf den Handtellern von ihrer Schokoladenseite. Später grinsen sie in sich hinein und warten darauf, dass der verteilte Mumpitz im Hinblick auf die Gesinnung des Jungvolkes seine Wirkung entfaltet.

Was also tun, um die singenden Billardkugeln bei der Verbreitung ihrer Kakofonie zu stoppen? Wegsperren? Münder zukleistern? Staatlich subventionierte Gehirnwäsche verordnen?

Alles viel zu repressiv! Unterdrückte, weggesperrte oder medizinisch manipulierte Nazis könnten als Opfer Mitleid oder gar Sympathien wecken. Hinzu kommt: Seit der Erfindung der Realityshows eröffnet sich eine geeignetere Möglichkeit: das Sich-selbst-Bloßstellen vor einem Millionenpublikum!

In Zeiten von TV-Formaten wie Big Brother, Dschungelcamp, DSDS und anderen Ausstellungsflächen kurioser Zeitgenossen wäre dergleichen ebenfalls für krakeelende Braunies denkbar:

„Deutschland sucht den singenden Supernazi“ wäre ein Format für BILD-TV mit NDP, AfD und der Jungen Freiheit als Hauptsponsoren. Achtundachtzig braune Baritone, die einen gewissen Intelligenzquotienten nicht überschreiten dürften, könnten gegeneinander antreten, damit das Publikum sie als das kennen lernt, was sie sind: groteske, aber brandgefährliche Witzfiguren.

Im Rahmen diverser Darbietungen könnten diese Ewiggestrigen gegeneinander um den „Endsieg“ kämpfen. Neben „röhrendstes Organ“, „tumbster Text“, „brachialste Performance“ sowie „polierteste Glatze“ gäbe es noch die Kategorie „teutonischstes Teflon“, in der sich die Nazis mit deutschen Kartoffeln bewerfen lassen müssten. Wer diese nicht an sich abprallen ließe, wäre ein ungermanisches Weichei und flöge aus der Show.

Darüber hinaus müsste sich jeder Kandidat einen kantig-quadratisch gestutzten Oberlippenbart wachsen lassen, sich im rollenden „R“ üben, aus dem Stegreif Richard Wagners Ritt der Walküren summen und aus dem Kontext gezerrte Stellen aus dem Gesamtwerk Friedrich Nietzsches aus dem Gedächtnis zitieren.

Wer all diese Aufgaben am besten meisterte, würde lobende Worte der Jury ernten. In dieser könnten der Gesinnungsverwandlungskünstler Horst Mahler, der Möchtegernprophet Thilo Sarrazin sowie der schwarz-rot-gold angepinselte Björn Höcke sitzen.

Diese drei wären bestens geeignet, da sie ein gewisses Feingefühl für die Botschaften der Braunsoßenbrummler besitzen dürften und daher sicherlich die Nuancen aus der Kakofonie herauszufiltern verstünden.

Der Gewinner von DSDSS bekäme ein Fotoshooting mit Gert Wilders und Jean-Marie Le Pen sowie einen der NPD-Sitze im mecklenburgischen Landtag geschenkt, wo das wirre sowie grammatikalisch avantgardistisch anmutende Gefasel der NPD-Heinis durch das Rechtsrockgeröhre ihrer Kameraden ersetzt werden könnte.

Die Landtagsabgeordneten der übrigen Parteien dürften Ohrenschutz tragen und die Showeinlagen des DSDSS-Helden mit Kartoffelwürfen honorieren. Die Naziröhre wäre durch die harte Showschule ja bereits im Erdulden des Kartoffelbeschusses erprobt und könnte somit vor dem Parlament sein Teflon-Talent unter Beweis stellen, während die anderen Parlamentarier sich mit ihren kathartischen Knollen-Kanonaden von all ihren Aggressionen befreien und somit ihre Gehirngänge frei fegen könnten, sodass sie anschließend in der Lage wären, innerlich gereinigt mit höchster Konzentration ihrer politischen Arbeit nachzugehen. Wer weiß: Vielleicht zündeten dann in den aufgeräumten Köpfen der Volksvertreter ein paar neue Ideen, wie man den Nationalfuzzis beikommen und sie auf demokratischem Wege von den Schulhöfen, Marktplätzen und Parlamentsbühnen hinwegkatapultieren könnte …

 

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