18 – Männerreigen im Plauderton

schwitter

Monique Schwitter blickt auf ihre Lebensabschnittsgefährten zurück

Beim Prokrastinieren werden manchmal aufwühlende Erkenntnisse ins Bewusstsein geschwemmt. Diese Erfahrung macht die Protagonistin in Monique Schwitters Roman „Eins im Andern“, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und jüngst mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet worden ist. Die namenlose Icherzählerin – die ebenso wie die 1972 in Zürich geborene Schwitter, einst Regie studiert hat, inzwischen jedoch als Schriftstellerin in Hamburg lebt – sitzt am Freitagabend, nachdem sie ihre zwei Kinder ins Bett gebracht hat, vor ihrem Computer, um an einem Text zu arbeiten; doch die endlosen Weiten des Internets locken und die Autorin lässt sich locken, tippt den Namen ihrer ersten großen Liebe in das dafür vorgesehene Feld der Suchmaschine ein und erfährt, dass Petrus (so sein Name) sich vor knapp fünf Jahren aus dem achten Stock in den Tod gestürzt hat.

Diese Information ist ein Schock und zugleich Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit, für einen Rückblick auf die Zeit mit Petrus und auf die Männer, die auf ihn folgten. So entsteht ein Reigen von zwölf Kapiteln, in denen längst verblasste Erinnerungen wiederbelebt werden und zugleich die aktuelle Beziehung mit dem spielsüchtigen Ehemann reflektiert und hinterfragt wird. Und nicht nur im Gedanken reist die Autorin zurück in die Vergangenheit, sondern auch im realen Leben, in dem sie spontan in einen Intercityexpress steigt, der sie nach Zürich bringt, wo sie unangekündigt Simon besuchen wird, den sie jahrelang nicht gesehen, aber mit dem sie einst zusammen mit Petrus eine Art Dreierbeziehung geführt hat.

Monique Schwitters Roman lebt von solchen spontanen oder impulsiven Momenten, denn die Suchbewegungen der Protagonistin spiegeln sich in der Erzählweise wider. Teils sprunghaft, teils meditativ versunken, insgesamt recht bunt, vielseitig und flott, wenn auch manchmal etwas zu sehr im Banalitäten ausbreitenden Plauderton, erzählt Schwitter von einer durchaus exemplarischen Mittvierzigerin, die zurückschaut, um mit einem geschärften Blick ihre gegenwärtige Situation analysieren zu können und Klarheit darüber zu gewinnen, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Monique Schwitter: Eins im Andern. Droschl, Graz. 232 Seiten, 19,- €.

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Eingeordnet unter Rezensionen - Bücher 2015

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