Verliebt in Pakistan

In seinem Erzählungsband versammelt Christoph Peters Geschichten aus dem Nahen und Mittleren Osten

Einige Experten bezeichnen Pakistan regelmäßig als das gefährlichste Land der Welt. Kein Superlativ, der Lust entfacht auf eine Reise in diese islamische Republik mit ihren über 200 Millionen Einwohnern. Was will man dort, wenn es da so gefährlich ist? Für den Anfang könnte man vielleicht durch eine Kunsthochschule der 7-Millionen-Einwohner-Metropole Lahore spazieren und sich in eine Studentin verlieben. Oder man steigt zu zwei jungen Paschtunen auf ein klappriges Moped, um mit ihnen über eine mit Schlaglöchern übersäte Schnellstraße zu knattern. Anschließend könnte man mit einer kleinen Gruppe Einheimischer in einer improvisierten Hinterhofmoschee beisammensitzen, Shami Kebab essen und über die unterschiedlichen Vorstellungen vom Islam diskutieren.

All das zumindest passiert den Protagonisten in Christoph Peters’ Erzählungsband „Selfie mit Sheikh“. War der 1966 im niederrheinischen Kalkar geborene Autor bereits des Öfteren mit einer Vorliebe für die ostasiatische Kultur aufgefallen, so verdichtet er in seinem neuen Werk seine Erfahrungen, die er während einiger Reisen durch den Mittleren und Nahen Osten gesammelt hat.

Zu den Schauplätzen gehören neben Pakistan auch Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei. In Istanbul mäandert zum Beispiel der deutsche Architekt Wolfgang Janssen durch die Altstadtgassen – komplett irritiert von der Kluft zwischen seinem bisherigen Istanbul-Bild und der Realität. Und dieser ganze Kulturschock allein deshalb, weil Janssen „die Rabattkarte seines Dönerimbiss’, der sich zum zehnjährigen Bestehen bei seinen Stammkunden bedanken wollte, ausgefüllt und in den Kasten neben der Theke geworfen hatte“.

Insgesamt sind es vierzehn Erzählungen, in denen Peters nicht nur die Ängste thematisiert, die diese Länder bei vielen Mitteleuropäern auslösen, sondern auch Raum lässt für ebenso überraschende wie den Blick weitende Begegnungen.

Christoph Peters: Selfie mit Sheikh. Luchterhand, München. 256 Seiten, 18,00 €.

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Eingeordnet unter Rezensionen - Bücher 2017

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