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Der Frankfurter Flaneur

In „Tarzan am Main“ skizziert Wilhelm Genazino in Prosaminiaturen die Szenerie Frankfurts sowie Etappen seiner eigenen Biografie.

Frankfurt am Main wird von einigen Bewunderern für die amerikanischste Stadt Deutschlands gehalten. Die für deutsche Verhältnisse imposante Skyline des Bankenviertels brachte ihr sogar einen Vergleich mit New York und den Spitznamen „Mainhattan“ ein. So beeindruckend die Frankfurter Bankentürme von Weitem wirken mögen: „Zwischen den Türmen selber ist nichts los.“ Das zumindest meint Wilhelm Genazino – und der sollte es wissen, schließlich lebt er seit 1970 in Frankfurt.

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Butterkuchenforscher mit Wespe

Ein Mann, der an einem Tisch vor einer Bäckerei mit einer Kuchengabel in der Hand dasitzt und seit über einer Minute sein etwa 20 Zentimeter vor ihm auf einem Teller ruhendes Butterkuchenstück betrachtet – mal leicht nach links, mal leicht nach rechts gebeugt –, ohne es anzurühren. Als wäre der Kuchen ein sonderbares, erforschenswertes Objekt, dem man sich mit gebotener Vorsicht anzunähern habe; und so wirkt der Mann in seiner Butterkuchenbetrachtung für Außenstehende ebenso sonderbar wie für ihn selbst offenbar das vor ihm stehende Gebäck – bis ein schwarz-gelbes Insekt ins Blickfeld krabbelt, noch einen Augenblick auf dem Kuchen verweilt und schließlich davonfliegt, vielleicht um seinen Wespenfreunden von dem äußerst schmackhaften Berg zu berichten, an dem man ungestört knabbern darf …

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Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Es ist erschreckend aber wahr
Die Dürftigkeit in die wir Jahr für Jahr
In allen Lebenslagen lebenslänglich sozusagen
Eingeschlossen sind

Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Uns unerträglicher

Selbst wenn wir beisammensitzen
In unserem Lieblingsbrauereilokal
Dann sollten wir wissen
Dass mit jedem Bissen
Den wir wie von Sinnen
Nahezu herunterschlingen
Ehe wir uns versehen
Unser Stolz und unsere Würde verloren gehen
Und die Alltäglichkeit
Die man uns jederzeit
Aus vollen Fässern zapft
Macht uns nicht mehr betrunken sondern vielmehr bewusst
Dass das Unglück überall zurückgeschlagen werden muss

Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Wird mehr und mehr und mehr und mehr
Uns unerträglicher

(tocotronic: Das Unglück muss zurückgeschlagen werden, K.O.O.K., 1999)

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