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Balkonmomente … oder Selbstgedrehte bei hereinbrechender Nacht*

Spätabends hocken wir auf dem Balkon und schmöken, obwohl wir beide eigentlich Nichtraucher sind. Mit den Tabakresten, die schon seit Jahren in einem Fotofilmdöschen vor sich hin trockneten, hast du uns eine Selbstgedrehte gebastelt, die nun im Teelichtgeflacker zwischen uns hin und her wandert. Wir reden über den Arbeitsstress, der unseren Alltag taktet, und über den Quatsch, den wir in der letzten Nacht geträumt haben. Der Bambus, der in meinen Blumenkästen wuchert, raschelt mit seinen Blättern im Wind, der den Qualm in die Wohnung treibt, egal wie sehr wir uns bemühen, mit gespitzten Lippen die Rauchwölkchen über die Balkonbrüstung hinaus in den Hinterhof zu schicken.

Du hattest Lust, eine Zigarette zu rauchen, und ich hatte noch eine Packung mit alten Papers und das Filmdöschen mit Tabakresten, das längst vergessen in einer Schublade neben vollgekritzelten und genauso vergessenen Notizbüchern schlummerte. Der Tabak ist eigentlich viel zu trocken, um ihn genießen zu können, aber es ist auch komplett egal, wie die Selbstgedrehte schmeckt, solange wir einfach auf dem Balkon beieinandersitzen, der hereinbrechenden Nacht entgegenblicken und in den Sprechpausen den Geräuschen der Stadt lauschen – eine Straßenbahn, die auf der Friedrich-Ebert vorüberrauscht, eine zuknatternde Jalousie, der im Badezimmer gurgelnde Nachbar, ein aufheulendes Motorrad, eine im Hinterhof schreiende Katze.

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Unreparierbare Jahressplitter – IV

Eine Schnipsel-Melange – April

Zwischen den Stapeln – Walter Benjamins Marie Huana

In einem Antiquariat in der Konstanzer Altstadt ist der Händler komplett im Verkaufsmodus und offeriert mir, während ich bei den Taschenbüchern stöbere, einen bunten Strauß an Empfehlungen – Donna Leon (sein absoluter Geheimtipp), Martin Suter (könne man immer lesen), Hermann Hesse (sei nach wie vor aktuell) oder Kafka (wie wäre es mit Kafka?). Irgendwann bietet er mir – wie anscheinend jedem, der in den Laden kommt – einen Ziegelstein von einem Buch an, das wohl ein historischer Roman über Konstanz zu sein scheint (ganz fabelhaft, habe er gerade selbst gelesen).

Auch einen Flyer zu dem in zwei Wochen stattfindenden Büchermarkt drückt er mir in die Hand, und als ich nach einer guten Viertelstunde immer noch nichts gefunden habe, will er mir ein Taschenbuch vom Stapel schenken (irgend so einen dicken Schinken); also greife ich mir rasch Walter Benjamins „Über Haschisch“, das ich bereits vor ein paar Minuten in den Händen hatte, und sage: „Das nehme ich!“.

Er nimmt es mir aus der Hand, blättert darin und sagt: „Sie hieß Marie, mit Nachnamen Huana.“

Er grinst mich an, ich blicke fragend zurück.

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