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Provinzzombies

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In seinem Roman „Glantz und Gloria“ erzählt der aktuelle Bremer Literaturpreisträger Henning Ahrens eine herrlich durchgeknallte Story

Der deutsche Provinz-Mob ist eine Art Zombie-Musicalchor. Zumindest in Glantz, einem konservativen Kaff, das im Tal eines fiktiven Mittelgebirges namens Düster liegt und dessen Einwohner keine Fremden mögen. Dieses Glantz im Düster ist der Schauplatz von Henning Ahrens Roman „Glantz und Gloria“, für den der 51-jährige Schriftsteller just mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Ahrens erzählt in seinem vierten Roman die Geschichte von Rock Oldekop, der in seinen Geburtsort zurückkehrt, um Klarheit über seine Vergangenheit zu erlangen. Als Fünfjähriger hatte er die Heimat verlassen, da das Elternhaus abgebrannt und die Eltern bei dem Brand umgekommen waren. Knapp 40 Jahre später kehrt er zurück in dieses Provinznest, das ihm mittlerweile fremd ist und ihn wie einen Fremden empfängt. Da trifft es sich eigentlich ganz gut, dass er abseits des Dorfes in der alten Mühle Unterschlupf findet – und zwar bei Landauer, einem Zugezogenen, der vor Jahren die Mühle gekauft hat, aber von den Einheimischen nie als Ihresgleichen akzeptiert wurde. Im Gegenteil: Die Glantzer wollen den Eindringling unbedingt loswerden, denn der ist nicht nur der Herkunft nach fremd, sondern außerdem ein Öko-Selbstversorger und militanter Vegetarier, der seinem Gast gleich in der ersten Nacht aus der Hand liest.

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So jung kommen wir nicht mehr zusammen

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Im Rahmen der 40. Literarischen Woche Bremen lesen vom 18. bis 26. Januar nicht nur der Buchpreisträger Frank Witzel und der Preisträger des Bremer Literaturpreises Henning Ahrens, sondern insgesamt ein knappes Dutzend Schriftsteller*innen. Und mit Janko Marklein, Fabian Hischmann und Antonia Baum stellen gleich drei jüngere Autor*innen in einer gemeinsamen Lesung am 26. Januar ihre Coming-of-Age-Romane in der Bremer Stadtwaage vor.

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ ist der skurril ausschweifende Titel des Romans, mit dem Frank Witzel im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis absahnte. Darin entfaltet Witzel auf 800 Seiten den irrwitzigen Kosmos eines 13-Jährigen, der Ende der 60er in der BRD nicht nur mit den Geschichten der RAF-Terroristen aufwächst, sondern von ihnen geradezu besessen scheint und auch bleibt, als er älter wird. Dass das Erwachsenwerden mit einer solchen Obsession nicht unbedingt einfacher wird, kann man sich vorstellen, und somit passt das Werk, aus dem Witzel am 21. Januar in der Stadtbibliothek lesen wird, perfekt zum Motto der diesjährigen Literarischen Woche. „Generation im Aufbruch. Von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens“ lautet das Motto, unter dem die 40. Ausgabe des traditionsreichen Literaturfestivals steht.

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