Schlagwort-Archive: Musik

The Holy Bob in der Stadthalle

Gerade hat er sein linkes Bein bewegt. Das fiel sofort auf im gleißenden Licht. Dort steht er ganz allein, dort oben im Spotlight auf der Bühne in der Stadthalle. Er allein mit seiner Gitarre und seiner Mundharmonika, so wie man ihn kennt von den Plattencovern und Postern, steht er da in echt und spielt die Lieder, die längst Klassiker sind. Und die Steine rollen und der Wind weht und ein schwerer Regen fällt, doch er steht einfach nur da, spielt auf seiner Gitarre und singt.

So wie vor ein paar Wochen Joe Cocker auf der gleichen Bühne stand und sang und doch alles anders war. Cocker fuchtelte mit seinen Armen herum, wie man das von ihm kennt, begleitet von einer Band, Backgroundsängerinnen, Lichtshow, Videoprojektionen und dem ganzen Tralla. Nicht so Dylan. Der braucht keine Hilfe von irgendwem. Der kriegt’s allein hin. Cocker ist halt nicht Dylan. Niemand ist wie Dylan, manchmal nicht einmal Dylan.

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Tage am Ufer

Notre Dame2

Tagebuchnotiz 12, Paris, Juli 2010

Morgens am Seine-Ufer gegenüber von Notre-Dame unter dem schattenspendenden Geäst der Bäume. Ein Frachter und ein Touristenboot ziehen vorüber, die Schiffsmotoren brummen beruhigend monoton, Wellen klatschen an die Quaimauer, dann wieder Stille, nur aus der Ferne der Klang einer Trompete, jemand spielt „When the Saints go marching in“, während am gegenüberliegenden Ufer ein Mann in den Fünfzigern mit freiem Oberkörper und mehr Haaren auf der Brust als auf dem Kopf skurrile Gymnastikübungen macht, seine hautenge rote Shorts leuchtet dabei in der Sonne, zieht die Blicke der vorüberspazierenden Touristen auf sich, die den Sporttreibenden wie ein seltenes Insekt bestaunen; und wieder schiebt sich ein Frachter ins Bild, erneut ein Boot mit Touristen, die ihre Kameras in die Höhe strecken, aus der Ferne klingt immer noch „When the saints go marching in“ herüber, Wind kommt auf, Blätter segeln in die Seine hinab, Möwen stürzen sich kreischend auf ein Stück Brot, das im Wasser treibt, irgendwo heult eine Alarmsirene auf, Autos hupen, und plötzlich wird alles übertönt von Notre-Dames Glocken, deren Klang anschwillt und für eine Weile alle anderen Geräusche beiseitewischt … dann wieder das Brummen eines Schiffsmotors, das Kreischen einer Möwe, die Hupe eines Autos, das Rascheln der Blätter über mir …

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Milchbartänze

Blumenthal18

Kurz nach der Jahrtausendwende steigt ein Punk mit grün-blauem Irokesenschnitt und Nieten-Lederjacke im Bermudadreieck auf den Tresen der Milchbar, wo heute das Urlaub ist, und tanzt zu den Sex Pistols. Eine Punkerin schreit vom anderen Ende des Tresens „Ausziehen!“ und der Punk lässt sich nicht zweimal bitten, streift die Lederjacke ab, öffnet den Nietengürtel, zerrt sich das T-Shirt vom Leib, öffnet Knopf und Reißverschluss seiner löchrigen Jeans. Alle Punks grölen, feuern ihn an, der Barkeeper – selbst Punk – dreht die Musik lauter. Die Hose hängt in den Kniekehlen, dann über den Doc Martens, die der Punk noch nicht ausgezogen hat, vielleicht auch gar nicht ausziehen will, vielleicht niemals auszieht (nicht einmal im Bett oder unter der Dusche).

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Elements of Lehmann

Lehmann

Ein Sven-Regener-Abend 

6. Dezember 2018 um 19.30 Uhr

im Kukoon

Es gibt genügend Gründe, sich einen Abend lang mit Sven Regeners literarischem Werk zu beschäftigen, in die Texte seiner Lehmann-Trilogie reinzuhorchen und zwischendurch Songs seiner Band „Element of Crime“ erklingen zu lassen. Daher werde ich wie schon 2016 und 2017 mein Veranstaltungsjahr mit einem Sven-Regener-Abend im Kukoon ausklingen lassen. In „Elements of Lehmann“ werde ich Auszüge aus Regeners Romanen lesen, ein wenig zu Leben und Werk erzählen und den einen oder anderen Song einspielen.

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Elements of Lehmann

Ein Sven-Regener-Abend mit Texten & Songs des Autors

23. November 2017 um 19.30 Uhr

im Kukoon (Bremen-Neustadt)

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Bahnhofs-Beat-Master

Am Hauptbahnhof steige ich aus der Linie 4 und ströme mit den anderen Fahrgästen im Stechschritt über den Vorplatz Richtung Bahnhofshalle, während von irgendwoher Techno-Mucke mit heftigen Wumms über den Platz schallt; die Musikquelle kann ich nirgends entdecken, also halte ich ein paar Meter vor dem Haupteingang inne, lasse meinen Blick schweifen und entdecke einen Typen, der ganz allein auf dem Rasenstreifen vor dem Überseemuseum steht und sich die Morgensonne ins Gesicht scheinen lässt, während die bierkastengroße Verstärkerbox, die er sich auf seinen Rücken geschnallt hat, den Bahnhofsplatz mit Beats versorgt.

 

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Cohen

cohen

All die Abende mit seinen Platten bei Rotwein & Kerzenschein, kein melancholisches Mix-Tape kam ohne ihn aus und kein Gespräch über famose Songtexte – angesichts der Weltlage vielleicht nicht der schlechteste Zeitpunkt, um sich aus dem Staub zu machen. Wünsche ihm eine gute Zeit in der Ewigkeit …

 

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