Auf der Bühne staunt der Dichter Ben Okri über die 850 Menschen, die auf den Theaterstühlen sitzen (that would be impossible in London), zu ihm hinaufschauen und seinen Gedichten lauschen, die er in englischer Sprache vorträgt, während in seinem Rücken die Übersetzung auf eine Leinwand projiziert wird. Einmal dreht er sich um, versucht die deutschen Worte zu erhaschen, doch die weißen Buchstaben huschen zu rasch davon …
Archiv der Kategorie: Schnipsel
Tumültchen im Foyer
p.o.t.r. Fünf Minuten vor dem Festivalauftakt 14 im Großen Haus. Im Foyer belagern knapp zwei Dutzend seriös wirkende Herrschaften die Kasse, in der nur noch eine Handvoll Eintrittskarten darauf wartet, abgeholt zu werden. Die Dame hinter der Kasse liest die Namen der Reservierungsliste vor. Niemand ruft Ja, hier bin ich! Die Karten sind frei, Bewegung in der Gruppe, beinahe Gerempel, fünf Jubelnde wedeln mit den Karten, steuern den Saal an, ein Pressefuzzi steigt über die Absperrung. Der Rest bleibt davor stehen. Das war´s. Ausverkauft. Zurückbleiben bitte! Die Türen schließen!
Gedichtboxen am Butterkeksplatz
Der B … B … Beat-Boxer performt sein P … P … Poem, seinen Slaaaamtext. Dalibor Marković im Rampenlicht mit seinem Mixtape. Abgespielt in der Mundhöhle, aus der Kehle, über die Luftröhre mit dem Gaumensegel auf die Zungenspitze, raus ins Publikum geploppt, gesummt, gezischt … Lautpoetisch im letzten Jahr zu dieser Zeit – der Sprechpoet im Theater am B … B … Butterkeksplatz.
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Enzensberger im Klo

In der Pause wird die Toilettentür von außen geöffnet, der 83-jährige Hans Magnus Enzensberger steckt seinen Kopf rein, fragt, ob sich jemand hier in diesem Theater auskenne und wisse, wo der Raucherraum sei. Die Toilettenbesucher starren auf den bekannten Kopf, zucken die Schultern. Drei Minuten später steht der Schriftsteller draußen vor dem Theater, eine Zigarette zwischen den Lippen. Poetry on the road.
Plastiktüten voller Bücher
Poetry on the road 2014: Drei, vier Jugendliche, die in der Pause des Literaturfestivals mit Plastiktüten voller Bücher von Enzensberger, Hahn, Okri und anderen anwesenden Autor*innen diese belagern, um sich deren Werke signieren zu lassen. Irgendwer neben mir meint: Verticken die bestimmt bei E-Bay. Doch die glühenden Gesichter, der Glanz in den Augen, das Lächeln auf den Lippen und das anschließende Starren auf die Unterschriften sprechen eine andere Sprache …
Schokofluppenkratzer
Nie wieder so viel geraucht wie in der Kindheit – Kaugummifluppen, Schokozigaretten, Salzstangen, Lollistengel … mit tiefem Ernst, ohne Lungenflügelkratzer
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Urlaub unter Laub
Pfingsten – Urlaub unter Laub … bäumen. Damals auf´m Dorf: mit Freunden Birken gefällt und nachts vor die Fenster der Mädels gestellt (die man toll fand), um am nächsten Tag bei denen auf der Terrasse oder in der Küche Schnaps zu trinken … oder Fanta
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schwarze Milchbrötchen
Der in schwarzem Leder gekleidete Kleiderschrankmann mit kahl rasiertem Schädel, der bei der Bäckereifachverkäuferin im Bahnhof am Tresen steht und ein Milchbrötchen bestellt


