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Kunst oder Familie

Das Bremer Theater arbeitet weiter daran, Karl Ove Knausgårds Romanzyklus „Min Kamp“ nach und nach auf die Bühne zu bringen. Die Inszenierung des zweiten Teils („Lieben“) vermittelt eine Ahnung davon, was Millionen von Lesern in den Bann gezogen haben könnte.

Wenn Karl Ove zu erzählen beginnt, dann gibt es kein Halten mehr. Voller Leidenschaft berichtet er von seinem Leben, seinem Schreiben und von Linda, in die sich der eigentlich bereits liierte Schriftsteller während eines Schreibworkshops verliebt hat – und die ihn durch einen Korb in eine existenzielle Krise stürzt. Nichts von seinen Gefühlen, seinen Abstürzen und seiner Scham verschweigt Karl Ove. Alles muss raus!

Der Mann, um den es hier geht, ist natürlich der norwegische Erfolgsschriftsteller Karl Ove Knausgård, der mit seinem sechsbändigen autobiografischen Erzählprojekt „Min Kamp“ zu einer Art Popstar der Literatur avanciert ist und weltweit die Massen fasziniert. Eine Faszination, die auch der Regisseur Frank Abt zu teilen scheint. Nachdem er den ersten Band („Sterben“) von Knausgårds Erzählprojekt in Bremen auf die Bühne gebracht hat, hat nun seine Inszenierung des zweiten Bandes („Lieben“) im Schauspielhaus Premiere gefeiert. Wie schon im ersten Teil setzt Abt auf Reduktion und ein kleines Ensemble. Auf der Bühne sieht man eine schlauchartig enge Wohnung, die sich aus drei Bereichen zusammensetzt (Bühnenbild: Susanne Schuboth). Da ist das Wohnzimmer mit Flügel und Stehlampe zur Linken, die Küchenzeile im Zentrum und zur Rechten der Arbeitsbereich von Karl Ove – ein Tisch und ein Stuhl.

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Hochgeschwindigkeitslesung

Sven Regener ist zum ersten Mal in der Bremer Glocke zu Gast, hat aber dennoch ein Heimspiel bei der Vorstellung seines Romans „Wiener Straße“ – daran ändert auch sein extrem hohes Lesetempo nichts.

Das Berlin-Kreuzberg der frühen Achtzigerjahre scheint ein irrer Kosmos voller schräger Vögel gewesen zu sein. Da hausen Leute in komplett matt-schwarz gestrichenen Wohnungen, spazieren mit Kettensägen durchs Viertel, versammeln sich morgens in der Kneipe zur kollektiven Kaffeemaschinen-Reparatur, schenken in Intimfriseurläden beim Haarewaschen Dosenbier aus oder stellen „verbrannten deutschen Kuchen“ in die Vitrine und nennen das Ganze dann Kunst. Überhaupt scheint beinahe komplett alles Kunst zu sein, was da in den Kneipen, Cafés und besetzten Häusern getrieben wird. Und so verwundert es kaum, dass die Kunst das eigentliche Thema in „Wiener Straße“ ist, dem neuen Roman des Musikers und Schriftstellers Sven Regener.

Der 1961 in Bremen geborene und seit 1982 in Berlin lebende Sänger der Band Element of Crime hat als Schriftsteller mit seiner Lehmann-Trilogie inzwischen einen gewissen Kultstatus erlangt. Sein Debütroman „Herr Lehmann“ wurde 2003 von Leander Haußmann mit Detlef Buck und Christian Ulmen in den Hauptrollen verfilmt, und im Sommer lief die Verfilmung seines letzten Romans, „Magical Mystery“, in den Kinos. Doch damit ist die Erfolgstory noch lange nicht am Ende, denn mit „Wiener Straße“ ergatterte Regener im Spätsommer gar einen Platz auf der stets viel beachteten Longlist des Deutschen Buchpreises. Somit hat nun auch der sogenannte gehobene Literaturbetrieb den Autor geadelt.

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