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Freiheit oder Liebe

Am morgigen Dienstagabend (12. Juni um 19:30) ist der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm mit seinem aktuellen Roman in der Bremer Buchhandlung Storm zu Gast; ich darf den Abend moderieren und freue mich sehr darauf, da mir nur wenige Schriftsteller einfallen, die in ihren Romanen existenzielle Fragen so lakonisch, dicht und unprätentiös verhandeln wie Peter Stamm. Wäre ich nicht als Moderator vor Ort, säße ich definitiv im Publikum:-)

„Während ich schrieb, kamen all die Gefühle zurück, die ich damals empfunden hatte, meine Liebe zu Magdalena, das Gefühl der Fremdheit und der Nähe, wenn wir zusammen waren, die Angst sie zu verlieren, und dann die Trauer über den Verlust. Manchmal versank ich in Tagträumen, saß stundenlang in meiner Dachwohnung, schaute aus dem Fenster in die Landschaft, die vor meinen Augen verschwamm mit Bildern aus meiner Erinnerung. Ich verstand manches besser, was Magdalena damals gesagt oder getan hatte, und ich begriff, wie schwer ich es ihr gemacht hatte. Mit jugendlichem Pathos hatte ich geglaubt, mich zwischen ihr und dem Schreiben entscheiden zu müssen, zwischen Liebe und Freiheit. Jetzt erst begriff ich, dass Liebe und Freiheit sich nicht ausschlossen, sondern bedingten, dass das eine nicht ohne das andere möglich war.“

[Peter Stamm, Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt, S. 115/116]

Peter Stamm liest am 12. Juni um 19:30 Uhr in der Buchhandlung Storm aus seinem aktuellen Roman.

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Poesie im Rampenlicht

Auch die 19. Auflage des internationalen Poesiefestivals „Poetry on the Road“ versammelte wieder Lyrikerinnen und Lyriker aus aller Welt, um in Bremen die verschiedenen Facetten der Dichtkunst zu feiern.

Mehr Poesie auf deutschen Bühnen hat der Schauspieler Fabian Hinrichs unlängst auf dem Berliner Theatertreffen eingefordert, denn nichts „scheint momentan politischer zu sein als Poesie“. Das Bremer Theater kommt dieser Aufforderung zumindest einmal im Jahr äußerst prominent nach, in dem es die große Bühne seines Hauses für die Eröffnungsgala des internationalen Literaturfestivals „Poetry on the Road“ bereitstellt. Auch in diesem Jahr rückte die Lyrik am Freitagabend vor fast komplett gefüllten Rängen für drei Stunden ins Rampenlicht. Zwei Dichterinnen und fünf Dichter aus sechs Ländern performten Gedichte in Englisch, Deutsch, Chinesisch, Spanisch, Niederländisch und Schweizerdeutsch. Mehr Poesie geht kaum, auch wenn es möglicherweise nicht die Form von Poesiepräsenz ist, die Hinrichs gemeint hat. Sei’s drum – die Lyrik, die sonst oft eher ein Nischendasein führt, darf sich in Bremen einmal jährlich im Spotlight austoben.

Die Freiheit des Wortes & Bremen als „City of Literature“

Dass die Wortkunst in Zeiten, in denen die Freiheit des Wortes von vielen Seiten attackiert wird, solche Bühnen braucht, da sind sich die Festivalmacher Regina Dyck und Michael Augustin sowie die Bremer Staatsrätin für Kultur Carmen Emigholz einig. Emigholz verkündete während ihrer Festival-Eröffnungsrede gar den Plan, mit Bremen den UNESCO-Titel „City of Literature“ anzustreben. Man darf gespannt sein, wie dieser Plan umgesetzt wird, denn abgesehen von seinen drei Literaturfestivals (Literarische Woche, globale° und Poetry on the Road) gilt Bremen nicht unbedingt als Mekka der Literatur – weder gibt es hier ein großes Literaturhaus, noch eine herausragende Literaturzeitschrift, und sowohl aufstrebende als auch erfolgreiche Autorinnen und Autoren zieht es meist in andere Städte.

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Laloire schlägt auf

Ingo Schulze – 24. Mai 2018 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

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Laloire schlägt auf

Ulrike Edschmid – 8. März 2018 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

Meine Reihe zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geht ins fünfte Jahr – und damit auch ins letzte Jahr. Nachdem ich bisher bereits 25 Autorinnen und Autoren vorgestellt habe, werde ich in diesem Jahr noch viermal aufschlagen. Los geht´s am 8. März mit der 1940 geborenen Autorin Ulrike Edschmid.

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Yan Jun – GEGEN ALLE ORGANISIERTEN LÜGEN

gestern nacht träumte ich von sojasoße, gestern nacht begann ich zu wachsen.

gestern nacht ging die wüste weit fort, wie ein seufzen. ich habe die wolken

gehört, unterm dachstuhl, während der letzte von den jungen, die weggehen

mussten, als man ihre häuser abriss, seine zigarette aufrauchte. weil gestern

nacht keine frau weinen wollte, wurde shanghai eine stadt aus holzpferden.

weil kein nebel über die brücken kommen wollte, wurde guangzhou ein

tablettenhimmel. und in xining gingen die lichter aus, während jemand sein

messer versteckte und über eine straße rannte, die mit schaföl bespritzt war.

gestern nacht verließ der gott von beijing die stadt.

 

gegen alle organisierten lügen!

 

gegen treffen bei dämmerung unter frühen sternen. gegen das schreien

meines namens von einer baumspitze, gegen schreien im niesleregen. gegen

kapitalistische kontemplation. gegen zweigesichter und dreimesser. gegen die

reinkarnation toter seelen in anderen leichen. gegen die senkung meines iqs

durch dich. gegen die unterbrechung eines films nach der hälfte, wenn das licht

unsere deckmäntel reißt, hält die albtraumfee in der luft an. sie hat keine liebe,

sie hat keine zukunft, ihre einsamkeit ist unsere einsamkeit … gegen macht.

 

zum flohmarkt unsterbliche und unvergängliche!

 

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Unreparierbare Jahressplitter – XII

Eine Schnipsel-Melange – Dezember

Abschlusslesung – Die Widerborstigkeit der Wörter

Noch eine Lesung. Noch ein Text. Ein Jahresrückblick wäre schön. Gern unterhaltsam. Ein bisschen witzig wäre auch toll. Aber der Text sollte natürlich zudem dem gehobenen Anspruch des durchaus kritischen Fachpublikums genügen.

Nichts leichter als das, denke ich und beginne sogleich erste Ideen und mögliche Handlungsfäden zu entwickeln, spinne Tag für Tag meinen Text fort, wäge im Gedanken diese oder jene Wendung ab. Schließlich gelingt es mir im Laufe der Wochen durch intensivste Kopfarbeit den Text am Abend vor der Lesung zu vollenden – zumindest in meinem Hirn. Dass ich noch keinen einzigen Satz zu Papier gebracht habe, empfinde ich als nebensächlich.

Kein Grund zur Panik, sage ich mir, der Text ist ja schon in deinem Kopf, da kann nichts mehr schiefgehen, das Ganze muss bloß noch runtergeschrieben werden.

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Unreparierbare Jahressplitter – IX

Eine Schnipsel-Melange – September

Stadtbibliothek – Schulze weiß Bescheid

Auf dem Weg zur Arbeit in der Stadtbibliothek. Leicht abgehetzt schließe ich mein Rennrad am Fahrradbügel an, haste Richtung Wallsaal-Eingang und erblicke auf den Stufen vor dem mächtigen Holzportal Ingo Schulze, der dort bereits zu warten scheint und mir zulächelt, als er mich sieht, mir die Hand entgegenstreckt und sagt: „Hallo, da sind Sie ja.“

Ich stutze, da ich zwar natürlich weiß, wie Ingo Schulze aussieht, aber warum weiß Ingo Schulze, wie ich aussehe, wenn wir uns niemals zuvor begegnet sind.

Hallo“, sage ich. „Wieso erkennen Sie mich?“

Ach, ich habe irgendwo Ihr Foto gesehen.“

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