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Eugenik statt Sozialismus

Uwe Timm setzt sich in seinem Roman „Ikarien“ mit dem Eugeniker Alfred Ploetz auseinander

April 1945. Die Nazis sind besiegt und der junge Germanist Michael Hansen kehrt als amerikanischer Leutnant in das Land seiner frühen Kindheit zurück. Dort erhält er den Auftrag, einen Dissidenten namens Karl Wagner zu befragen – und zwar zu dessen einstigem Freund Alfred Ploetz. Ploetz war unter den Nazis zu einem der führenden Eugeniker avanciert, der mit seinen Forschungen die Ideen der Rassenhygiene zu untermauern versuchte. Ursprünglich waren der Sozialist Wagner und der spätere Rassentheoretiker Ploetz verbunden durch die gemeinsame Vision, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Doch während Wagner das über grundlegende politische Veränderungen zu erreichen hoffte, zweifelte Ploetz immer stärker an der menschlichen Beschaffenheit an sich; bis er schließlich davon überzeugt war, dass sich die ideale Gesellschaft nur über die Optimierung des Menschen verwirklichen ließe.

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Spuren von Schönheit

Rothmann

Es sind immer noch überraschend wenige Leser, denen der Name Ralf Rothmann ein Begriff zu sein scheint, dabei ist der 62-Jährige einer der begnadetsten Erzähler, den die deutsche Literatur zu bieten hat. Das beweist er erneut in seinem aktuellen Roman „Im Frühling sterben“. Darin erzählt er die dramatische Geschichte einer Freundschaft während der letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs.

Kein Krieg ohne Milch!“ lautet die Parole von Klaas Thamling, wobei der Milchbauer selbst wohl gut auf den Krieg verzichten könnte. Wie so einige aus der Zivilbevölkerung hofft er im Frühjahr 1945 insgeheim auf die Ankunft der Alliierten und ein Ende des Krieges. Da ihm selbst noch das letzte große Gemetzel in den Knochen steckt, würde er seinen Melkergesellen Walter und Fiete gerne dergleichen ersparen. Doch auf einer Tanzveranstaltung im Dorflokal werden die beiden 17-jährigen Freunde zwangsrekrutiert und nach einer dreiwöchigen Express-Grundausbildung aus der norddeutschen Provinz Richtung Süden geschickt, nach Ungarn, an die Front. Dort wird Walter als Fahrer einer Versorgungseinheit der Waffen-SS eingesetzt. Obwohl alles andere als ein überzeugter Nazi oder begeisterter Soldat, geht er gewissenhaft seiner Arbeit nach, in der Hoffnung, das Ganze heil durchzustehen. „Davonkommen wollte ich“, erzählt er später, nach seiner Heimkehr, seiner Freundin Elisabeth. „Einfach nur durchstehen, den Wahnsinn.“

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