Schlagwort-Archive: Alkohol

Wiener Hofgespräche

 

Am späten Abend im Wiener Hofcafé ist selbst die Dame hinterm Tresen voll – die zwei Gäste vor dem Tresen sowieso. Ein Vollbärtiger mit rot leuchtender Kartoffelnase philosophiert mit schwungvoller Brummbärstimme über Sinn und Unsinn von Flaschenbier im Glas, zieht sein T-Shirt am Bund ein paar Zentimeter in die Höhe und präsentiert seiner Sitznachbarin auf dem Barhocker neben ihm seine nackte Wampe mit einem Grinsen, das zwei oder drei Zahnlücken preisgibt. Die Frau, die bestimmt zehn oder fünfzehn Jahre jünger als der vermutlich schon sechzigjährige Bauchbesitzer sein dürfte, nickt anerkennend.

Da steckt wohl ein Kleinwagen drin.“

Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Bremen, Schnipsel

Liebe statt Koks

Glavinicsw

Alkohol, Koks und Sex gibt es jede Menge im neuen Roman des Österreichers Thomas Glavinic. Zum Glück jedoch bietet „Der Jonas-Komplex“ neben den Drogeneskapaden eines taumelnden Egozentrikers auch noch eine Adoleszenz-, eine Liebes- und eine Abenteuergeschichte, die zusammen für ausgefallenere Unterhaltung sorgen.

Von Schreib- und Identitätskrisen geplagte Schriftsteller, die deutlich mehr Flaschen leeren als Seiten mit Text füllen, finden sich zuhauf in der Literaturgeschichte. Liegt ja auch nahe, die eigene Krise zu einem literarischen Stoff zu verarbeiten. Originell ist das indes nicht unbedingt und auf Dauer meist ziemlich öde, weshalb sich nach den ersten 100 der insgesamt 750 Seiten von Thomas Glavinics Roman „Der Jonas-Komplex“ die Sorge einschleicht, dass es endlos weitergehen könnte mit Linien ziehen, Schnäpse kippen und Potenzproblemen. Geht es dann zum Teil auch, allerdings nur auf jener einen Handlungsebene, in der die Story des Berufsliteraten erzählt wird, der durchaus das Alter Ego von Glavinic sein könnte, denn die beiden haben über Beruf, Alter und Herkunft hinaus noch einiges gemein (schließlich gilt der 43-jährige Wiener als Enfant terrible der Literaturszene).

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher 2016

Hochprozentige Weisheiten

Tagebucheinestrinkers

Für diesen Satz hätte ich Karl May geliebt: Winnetou starb, ließ sich jedoch nichts anmerken. Etwas geweint, Brandy durch Strohhalm.

[…]

Nachgedacht über Worte eines Freundes: Die Sonne müsste nachts scheinen, am Tage ist es doch sowieso hell. Wieder geweint. Rum.“

Eugen Egner: Aus dem Tagebuch eines Trinkers

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Blog