Archiv der Kategorie: Blog

Tumültchen im Foyer

romtumult

p.o.t.r. Fünf Minuten vor dem Festivalauftakt 14 im Großen Haus. Im Foyer belagern knapp zwei Dutzend seriös wirkende Herrschaften die Kasse, in der nur noch eine Handvoll Eintrittskarten darauf wartet, abgeholt zu werden. Die Dame hinter der Kasse liest die Namen der Reservierungsliste vor. Niemand ruft Ja, hier bin ich! Die Karten sind frei, Bewegung in der Gruppe, beinahe Gerempel, fünf Jubelnde wedeln mit den Karten, steuern den Saal an, ein Pressefuzzi steigt über die Absperrung. Der Rest bleibt davor stehen. Das war´s. Ausverkauft. Zurückbleiben bitte! Die Türen schließen!

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Gedichtboxen am Butterkeksplatz

Der B … B … Beat-Boxer performt sein P … P … Poem, seinen Slaaaamtext. Dalibor Marković im Rampenlicht mit seinem Mixtape. Abgespielt in der Mundhöhle, aus der Kehle, über die Luftröhre mit dem Gaumensegel auf die Zungenspitze, raus ins Publikum geploppt, gesummt, gezischt … Lautpoetisch im letzten Jahr zu dieser Zeit – der Sprechpoet im Theater am B … B … Butterkeksplatz.

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Punk mit Butter

Palermo-Punk-Art

Früher hingen am Sielwalleck immer die Punks ab, sie hockten dort mit ihren Hunden auf ranzigen Wolldecken, tranken Karlsquell aus Dosen und hörten Oi-Punk, der aus alten mit Panzerband zusammengehalten Kassettenrekordern schepperte. Einer aus der Gruppe stand meist auf dem Gehweg und quatschte die Leute an, die vorbeigingen. Haste mal ne Mark war schon so etwas wie ein geflügeltes Wort, damals, Ende der Neunziger, als es noch keinen Euro gab. Manchmal blieb ich stehen, kramte in meinem Portemonnaie und gab ihnen eine Mark oder siebzig, achtzig Pfennig, was der Punk dann immer Hammer oder geil fand, aber letztlich wohl vor allem dem Kiosk gegenüber oder dem ALDI in der Bismarckstraße zugutekam, wo die Punks ihr Bier kauften.

Inzwischen sind die Punks von der Sielwallkreuzung verschwunden, schon ziemlich lange eigentlich, ohne dass ich sagen könnte, wann genau. Vielleicht ist ja auch daran der Euro schuld, der an so vielem anderen angeblich schuld sein soll. Der Euro hat die Punks vertrieben wäre ja mal eine interessante Parole für die Wahlplakate dieser rechtspopulistischen Anti-Euro-Partei. Auf dem Plakat könnte man einen Punk mit der Parole abdrucken: Früher war ich Punk, seit es den Euro gibt, bin ich arbeitslos. Das wäre doch zumindest irgendwie originell.

Seit Neuestem habe ich wieder regelmäßig Kontakt mit Punks. In dem Haus, in dem ich im Dachgeschoss wohne, lebt seit ein paar Monaten eine Punkerin im Erdgeschoss, zusammen mit Herrn Schmidt, ihrem Rottweilermischling, die beide des Öfteren Besuch bekommen von anderen Punks. Wenn ich denen zufällig an der Haustür begegne, fragen die nie nach 70 oder 80 Cent, sondern halten mir höflich die Tür auf, und ich merke dann jedes Mal, dass ich völlig falsche Vorstellungen von Punkern habe. Meine Punk-Nachbarin hört sogar Queen und hat immer einen Hundebeutel dabei, wenn sie mit ihrem Rottweilermischling Gassi geht – von wegen Scheiß auf das System! Die Punks von heute sind auch nur ganz normale Leute; schließlich macht die einstige Ikone des Punks, John Lydon, ja inzwischen auch Werbung für Butter und nennt das dann Anarchie. In diesem Sinne könnte man sagen: Läuft doch wie geschmiert mit der Gesellschaft und den Punks – so harmonisch war´s früher nie:-)

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Enzensberger im Klo

EnzensbergerKroatien

In der Pause wird die Toilettentür von außen geöffnet, der 83-jährige Hans Magnus Enzensberger steckt seinen Kopf rein, fragt, ob sich jemand hier in diesem Theater auskenne und wisse, wo der Raucherraum sei. Die Toilettenbesucher starren auf den bekannten Kopf, zucken die Schultern. Drei Minuten später steht der Schriftsteller draußen vor dem Theater, eine Zigarette zwischen den Lippen. Poetry on the road.

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Plastiktüten voller Bücher

Poetry on the road 2014: Drei, vier Jugendliche, die in der Pause des Literaturfestivals mit Plastiktüten voller Bücher von Enzensberger, Hahn, Okri und anderen anwesenden Autor*innen diese belagern, um sich deren Werke signieren zu lassen. Irgendwer neben mir meint: Verticken die bestimmt bei E-Bay. Doch die glühenden Gesichter, der Glanz in den Augen, das Lächeln auf den Lippen und das anschließende Starren auf die Unterschriften sprechen eine andere Sprache …

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Schokofluppenkratzer

Nie wieder so viel geraucht wie in der Kindheit – Kaugummifluppen, Schokozigaretten, Salzstangen, Lollistengel … mit tiefem Ernst, ohne Lungenflügelkratzer

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Urlaub unter Laub

Pfingsten – Urlaub unter Laub … bäumen. Damals auf´m Dorf: mit Freunden Birken gefällt und nachts vor die Fenster der Mädels gestellt (die man toll fand), um am nächsten Tag bei denen auf der Terrasse oder in der Küche Schnaps zu trinken … oder Fanta

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Das Glück des Todes

Steuererklärungen scheinen unter Literaten ein großes Thema zu sein. Der Philosoph, Literaturwissenschaftler & Kulturkritiker George Steiner im Interview mit der ZEIT auf die Frage, woran er denke, wenn er an seinen eigenen Tod denke:

„Dass ich dann keine Einkommensteuererklärung mehr machen muss.“

 

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Tod & Steuern

„Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber eine panische Angst vor der Steuererklärung.“

Wolfgang Herrndorf, bereits im Bewusstsein, dass er nicht mehr lange zu leben habe.

In meinem Bewusstsein:

1) die Tatsache, dass mit dem 31. Mai die Steuererklärungsdeadline näherrückt

2) die Erkenntnis, dass auf meiner To-do-Liste die Steuererklärung täglich übersehen wird

3) viel Sympathie für Herrndorfs Angst

 

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schwarze Milchbrötchen

Kopfsflasterschatten

Der in schwarzem Leder gekleidete Kleiderschrankmann mit kahl rasiertem Schädel, der bei der Bäckereifachverkäuferin im Bahnhof am Tresen steht und ein Milchbrötchen bestellt

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