Schlagwort-Archive: Marion Poschmann

Laloire schlägt auf

Marion Poschmann – 16. November 2017 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

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Tee trinken und Haikus schreiben

In ihrem Roman „Die Kieferninseln“ schickt die Schriftstellerin Marion Poschmann einen kriselnden Bartforscher nach Japan

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines Drittmittelprojekts, hat geträumt, und zwar von seiner Frau. Nach diesem nächtlichen Traum ist er sich sicher, dass Mathilda ihn betrügt. Entschlossen stellt er sie zur Rede, klagt sie an, beleidigt sie und glaubt sie sogleich überführt, da sie alles abstreitet. Zutiefst gekränkt fährt er zum Flughafen, kauft sich in einer Kurzschlussreaktion ein Ticket für den nächstbesten Interkontinentalflug und landet einen Tag später in Tokyo. Ohne zu wissen, was er dort soll, und mit einer tiefen Abneigung gegen alle „Länder mit überdurchschnittlichem Teekonsum“.

Das ist die Ausgangssituation in Marion Poschmanns vierten Roman „Die Kieferninseln“, der auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Vier Jahre nach ihrem viel gelobten sowie mehrfach prämierten Roman „Die Sonnenposition“ stellt die 1969 in Essen geborene Lyrikerin ein weiteres Mal unter Beweis, dass sie auch in der Prosa eine virtuose Könnerin ist. Mit einem feinen Sinn für Humor und einem genauen Blick für die japanische Kultur schickt sie ihren Protagonisten auf eine Entdeckungstour, die inspiriert ist von der Pilgerreise Matsuo Bashōs, des großen Erneuerers des japanischen Haikus. Dessen Reisebeschreibungen dienen Gilbert als Anleitung für „sein Projekt der Abwendung“, dem er sich in Japan widmen will.

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Famose Poesieüberdosis

shakesbühne

1 Ralf Benesch ringt mit den Saiten seiner roten E-Gitarre,

2 Nora Gomringer kündigt an, „Erstaunliches zu machen“ mit der Sprache, was

3 Brian Turner sogleich umsetzt mit Gedichten über Kriegsschauplätze, woraufhin

4 Julien Delmaire ein Poem über die Favela singt,

5 Mario Bojórquez sich mit seiner mexikanischen Hochgeschwindigkeitspoesie auch nicht vom Übersetzungsausfall auf der Leinwand aufhalten lässt, worauf

6 Marion Poschmann mit einem Zyklus antwortet, in dem sie „Schattengeneratoren“, „schlafwandelndes Laub“, „Rabattaktionen an der Autobahnraststätte“ sowie „Wiedehopf auf Truppenübungsplätzen“ miteinander verwebt, was

7 Nii Parkes anschließend nicht davon abhält, zum Einstieg mit dem Publikum zu scherzen (warum auch?) und einen Prolog zu summen für

8 Jan Wagner, den „Poetry-Champion“, der nach der Pause auf der Bühne den Giersch und Mückenschwärme ins Rampenlicht rückt, während

9 Philip Casey als Dichter aus Dublin eine Hamburger Kriegsgeschichte poetisch entspinnt,

10 Maya Kuperman den Nahostkonflikt mit ihren Versen aufflackern lässt,

11 Ricardo Domeneck ein 8-Sprachen-Poem abmixt und

12 Heike Fiedler direkt daran anknüpft und mit Laptop sowie Loopmaschine lautpoetisch Lyrik visualisiert.

„Vielleicht kommt etwas dazwischen. Vielleicht auch nicht. Vielleicht … ein Gedicht.“

Oder Dutzende in diversen Sprachen an einem Abend in einem Saal dicht beieinander …

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3-2-1 – los, los, ihr Dichter

theater

Gewusel im Eingangsbereich. Sprudelndes Geplapper im Zuschauerstrom. Begrüßungen. Rufe. Dazwischen Dichtergesichter. Grünbein ergraut. Poschmann im Mantel. Krüger leger. Jemand braucht noch eine Karte. Jemand anders hat eine zu viel. Junge Frauen mit Fragebögen auf Klemmbrettern. Ist Ihnen das Festival bekannt? Mögen Sie den Schriftzug? Gefällt Ihnen das Design des Logos?

Draußen werden letzte Zigaretten geraucht, Nachrichten getippt, Sätze auf Englisch gewechselt.

5 minutes.“

Yes, I know. I just write a message to my wife at home.”

Don´t worry about that.”

Die erste Fanfare. Einige huschen noch auf die Toiletten, bevor der Dichtermarathon beginnt. Die zweite Fanfare. Saaltüren zu, Telefone aus, Ohren auf, Hirnspeicher ein.

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