Stoppuhr-Dichtung

uhr

10 Minuten. Ich lese was ganz anderes, aber 10 Minuten. Das stoppe ich auch.“

Sagt der Büchnerpreisträgerdichter Grünbein als Erstes, legt sein Mobiltelefon neben das Manuskript und dann direkt los; liest seine Verse und hält nur kurz inne, als nach den ersten zwei Versen des letzten Gedichts der Handywecker klingelt, da die 10 Minuten abgelaufen sind.

Na, das lese ich jetzt zu Ende.“

Wäre eigentlich ziemlich cool gewesen, wenn er tatsächlich mittendrin aufgehört hätte … Cliffhanger der Extraklasse sozusagen.

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Lost in translation

netter stein

Der chinesische Dichter, der zur schwarzen Leinwand in seinem Rücken aufschaut, wartet, bis er den Titel der deutschen Übersetzung erkennt.

„Ah. Morning.“

Und die leichte Unruhe, die aufkeimt im Publikum, wenn es minutenlang die Sprache nicht versteht und die Übersetzung auf der Leinwand lesen muss, wenn es verstehen will, was der Dichter auf der Bühne zu sagen hat.

„Das ist dann doch zu fremd“, flüstert eine Frau ihrer Sitznachbarin zu und verpasst die Poesieperlen.

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1-2-3-4-5-6 poems are bullshit …

morrison

Die Spoken-Word-Performerin in schwarzem Leder. TJ Dema legt ihre Gedichte auf, dreht die Boxen auf. Verse mit Drive, Rhythmus und Tiefgang.

„The machines don´t care if we live or die.”

Das Publikum so still, auf der Bühne so viel Power in der Poesie. Überleitungen, die wie Teile der Gedichte wirken.

Jedes Gedicht wird eingezählt. 1-2-3-4-5-6.

„Poems are bullshit unless they teach. Poems have no purpose until they reach … someone. I hope my poems have reached you.”

Definitiv. Hat jemand den Applausometer eingeschaltet und die Beifallsstärke gemessen?

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Applaus holen

4-dete-art-camp-stage - Dete

Der Gitarrist, der zum Auftakt mit seiner Gitarre auf die Bühne kommt, Applaus bekommt, sich setzen will, inne hält, den Finger hebt, wieder abgeht, beim Abgang erneut Applaus bekommt.

„Das hätte ich auch gekonnt“, meint einer. „Zugabe!“, ruft ein anderer. Gelächter.

Dann wieder Applaus als der Gitarrist zurückkommt mit den Notenblättern in der Hand.

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3-2-1 – los, los, ihr Dichter

theater

Gewusel im Eingangsbereich. Sprudelndes Geplapper im Zuschauerstrom. Begrüßungen. Rufe. Dazwischen Dichtergesichter. Grünbein ergraut. Poschmann im Mantel. Krüger leger. Jemand braucht noch eine Karte. Jemand anders hat eine zu viel. Junge Frauen mit Fragebögen auf Klemmbrettern. Ist Ihnen das Festival bekannt? Mögen Sie den Schriftzug? Gefällt Ihnen das Design des Logos?

Draußen werden letzte Zigaretten geraucht, Nachrichten getippt, Sätze auf Englisch gewechselt.

5 minutes.“

Yes, I know. I just write a message to my wife at home.”

Don´t worry about that.”

Die erste Fanfare. Einige huschen noch auf die Toiletten, bevor der Dichtermarathon beginnt. Die zweite Fanfare. Saaltüren zu, Telefone aus, Ohren auf, Hirnspeicher ein.

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Buchstaben im Rücken

london

Auf der Bühne staunt der Dichter Ben Okri über die 850 Menschen, die auf den Theaterstühlen sitzen (that would be impossible in London), zu ihm hinaufschauen und seinen Gedichten lauschen, die er in englischer Sprache vorträgt, während in seinem Rücken die Übersetzung auf eine Leinwand projiziert wird. Einmal dreht er sich um, versucht die deutschen Worte zu erhaschen, doch die weißen Buchstaben huschen zu rasch davon …

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Die Trauer der Buchmessen

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Vom Aufenthalt eines Autors im Ausland erzählt Jan Brandt

Nach seinem famosen Debüt „Gegen die Welt“ hat man nicht mehr viel vom Schriftsteller Jan Brandt gehört. Bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und auf Platz 35 der Spiegel-Bestsellerliste hatte er es 2011 mit dem 900-Seiten-Wälzer geschafft, doch danach folgten keine weiteren Bücher. Jetzt hat der 1974 in Leer geborene Brandt endlich nachgelegt, allerdings mit einem Werk, das sich schwer einordnen lässt. Der studierte Journalist berichtet in „Tod in Turin“ von seinen Lesereisen, einem Aufenthaltsstipendium in London und von drei Tagen, die er in Turin auf der Buchmesse verbracht hat, um dort die italienische Übersetzung seines Erstlings zu präsentieren.

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Jan Brandts Top Ten der Killerleserfragen

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  1. Was wollen Sie damit eigentlich sagen?
  2. Wie autobiografisch ist der Roman?
  3. Warum wohnen Sie in Berlin?
  4. Können Sie vom Schreiben leben?
  5. Haben Sie irgendwelche Hobbys?
  6. Arbeiten Sie schon an etwas Neuem?
  7. Es heißt, das zweite Buch sei das Schwerste. Wie ist das bei Ihnen?
  8. Worum geht es da?
  9. Wie geht die Geschichte aus?
  10. Ich schreibe auch. Zufällig habe ich mein Manuskript dabei. Wollen Sie es mal lesen?

Aus: Jan Brandt: Tod in Turin. Dumont, Köln, S. 17, Fußnote 5

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Tumültchen im Foyer

romtumult

p.o.t.r. Fünf Minuten vor dem Festivalauftakt 14 im Großen Haus. Im Foyer belagern knapp zwei Dutzend seriös wirkende Herrschaften die Kasse, in der nur noch eine Handvoll Eintrittskarten darauf wartet, abgeholt zu werden. Die Dame hinter der Kasse liest die Namen der Reservierungsliste vor. Niemand ruft Ja, hier bin ich! Die Karten sind frei, Bewegung in der Gruppe, beinahe Gerempel, fünf Jubelnde wedeln mit den Karten, steuern den Saal an, ein Pressefuzzi steigt über die Absperrung. Der Rest bleibt davor stehen. Das war´s. Ausverkauft. Zurückbleiben bitte! Die Türen schließen!

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Gedichtboxen am Butterkeksplatz

Der B … B … Beat-Boxer performt sein P … P … Poem, seinen Slaaaamtext. Dalibor Marković im Rampenlicht mit seinem Mixtape. Abgespielt in der Mundhöhle, aus der Kehle, über die Luftröhre mit dem Gaumensegel auf die Zungenspitze, raus ins Publikum geploppt, gesummt, gezischt … Lautpoetisch im letzten Jahr zu dieser Zeit – der Sprechpoet im Theater am B … B … Butterkeksplatz.

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