Schlagwort-Archive: Geschichten

Anarchie im Aldi

Schlägereien im Discounter, Blockwartgehabe, existenzielle Erfahrungen. Manche mag das möglicherweise an die Situation der ersten „Corona-Wochen“ in Deutschland erinnern, hat aber rein gar nichts damit zu tun. Stattdessen sind es Schlagwörter zu einem über zehn Jahre alten Text, den ich in einer Audiofassung von 2013 wiederentdeckt habe. Würde ich vermutlich heute nicht mehr so schreiben, weil vielleicht etwas zu überdreht, zu slapstickartig und in seinem satirischen Erzählton (der natürlich in keiner Weise meine persönliche Meinung ausdrückt, sondern die Haltung eines fiktiven Icherzählers) stellenweise ein bisschen sehr böse gegenüber älteren Mitmenschen*, aber irgendwie mag ich den Text trotzdem immer noch, vor allem das schwarzhumorige Verhandeln eines Generationenkonflikts, das Nachzeichnen, wie sich aus gekränkter Hilflosigkeit Aggressionen entwickeln, und nicht zuletzt den in gewisser Weise versöhnlichen Schluss.

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23 – Der schwitzende Weihnachtsnikolaus

Winterkleineweser2

Meine schönste Weihnachtsmann-Erinnerung, die eigentlich eine Nikolaus-Erinnerung ist, stammt aus meinen Studententagen, als ich jedes Jahr in der Weihnachtszeit als Weihnachtsmann gejobbt habe, und manchmal eben auch als Nikolaus – allerdings im identischen Weihnachtsmannkostüm, was mich damals wohl selbst ein wenig verwirrt hat. Jedenfalls war ich an jenem Nikolausabend von einer Gruppe Mütter gebucht worden, die sich regelmäßig trafen, um gemeinsam mit ihren 4 – 6-jährigen Kindern schwimmen zu gehen. Dieses Mal waren sie jedoch nicht zum Schwimmen zusammengekommen, sondern um den Nikolaus zu empfangen, der dummerweise nach dem Öffnen der Haustür zwar gutgelaunt mit seinem Glöckchen bimmelte, allerdings als Erstes voller Inbrunst mit tiefer Stimme die Versammelten mit folgendem Satz begrüßte: Ho, ho, ho, hier kommt der Weihnachtsmann … äh Nikolaus.

Kritische Blicke der Mütter (was haben wir denn da für eine Gurke gebucht). Kein idealer Auftakt, aber die Kinder schienen nichts gemerkt zu haben, sondern starrten mit aufgerissenen Augen auf den dicken, weißbärtigen Mann im roten Mantel oder liefen panisch zurück ins Haus, versammelten sich jedoch alle kurz darauf – manche fröhlich, andere ehrfürchtig distanziert – nach und nach um den Mann, der also der Nikolaus sein sollte und nun auf einem IKEA-Klappstuhl vor ihnen saß und unter seinem Mantel die üppig gepolsterten Klamotten vollschwitzte (was die Kinder natürlich nicht bemerkten).

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