Schlagwort-Archive: Erinnerungen

Schnappschuss mit frittiertem Fisch und Möwe

Brighton Beach mit Blick auf die Seebrücke (Brighton Palace Pier)

Es ist Urlaubszeit und ich hocke im verregneten Bremen. Was tun? Zum Beispiel in vergilbten Notizbüchern herumblättern und Urlaubserinnerungen wie diese hervorkramen:

Brighton. Mein erstes Mal im größten und bekanntesten südenglischen Seebad. Vor einer halben Stunde habe ich in dem leicht schäbigen Hostel eingecheckt, das mir der Typ in der Touristeninfo wärmstens empfohlen hatte, und mir anschließend an der Ecke meine ersten Fish & Chips gekauft. Nun sitze ich am Strand auf Kieselsteinen, mein überteuertes frittiertes Willkommensmenü in den Händen haltend, und schaue auf den Ärmelkanal, während die Sonne über der dichten Wolkendecke scheint und die Möwen kreischen.

Also alles bestens, ich bin im Urlaub und glücklich darüber, im Urlaub zu sein … und glückliche Urlauber gelten anscheinend als leichte Beute, denn noch bevor ich ein erstes Mal von meinem Fisch abbeißen kann, kommt von hinten eine Möwe angeschossen und schnappt sich ein fettes Stück mein Fischs, das ihr allerdings sofort wieder entgleitet und neben meinem linken Knie in den Kies plumpst (bad luck for both of us). Nun trippelt die Möwe mit Sicherheitsabstand auf und ab, offenbar unschlüssig, ob sie es wagen soll oder ob ihr Ärger mit mir drohen könnte, obwohl ich ihr so aufmunternd zulächle.

Ein Ehepaar, das vielleicht zwanzig Meter von mir entfernt sitzt, steht sofort auf, nachdem sie beobachtet haben, wie die Möwe, meinen Fisch zu klauen versuchte.

“Unglaublich! Hast du das gesehen?”, fragt die Frau ihren Mann.
“Ja, habe ich. Komm, hier bleiben wir nicht! Lass uns gehen!”

Und weg sind sie, während ich sitzen bleibe und der Möwe dabei zuschaue, wie sie sich mit einer zweiten Möwe zankt, die sich ebenfalls für den Fisch zu interessieren scheint, der immer noch neben meinem Knie liegt.

Während sich die zwei streiten und ich sie dabei beobachte, kommt ein kleiner Hund vorbei, schnüffelt, entdeckt den Fisch im Sand, schnappt ihn sich, schlingt ihn sofort runter und jagt auf die zwei Möwen zu, die zwar beide genauso groß wie das Hündchen sind, aber dennoch aufschrecken und meckernd davonflattern.

Und ich, ich hocke im Kies von Brighton Beach, schaue zum Meer hinaus, esse die restlichen Fish & Chips und genieße mein Urlauberdasein …

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Blog, Schnipsel

Im Erinnerungskarussell

lange-mueller

Katja Lange-Müller lässt ihre Romanheldin in der Drehtür stecken

Asta Arnold steht im Münchner Flughafen vor einer Drehtür, raucht eine Zigarette nach der anderen und denkt nach – über Gutsleberwurst, deutsche Redewendungen, ihre Vergangenheit und das, was die Zukunft möglicherweise für die Mittsechzigerin noch bereithalten könnte. Die letzten 22 Jahre ist sie als Krankenschwester in aller Welt für internationale Hilfsorganisationen im Einsatz gewesen; zuletzt in Nicaragua in einer Klinik, in der die Kollegen ihr ein One-Way-Ticket nach München geschenkt haben, um sie endlich loszuwerden.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher 2016

23 – Der schwitzende Weihnachtsnikolaus

Winterkleineweser2

Meine schönste Weihnachtsmann-Erinnerung, die eigentlich eine Nikolaus-Erinnerung ist, stammt aus meinen Studententagen, als ich jedes Jahr in der Weihnachtszeit als Weihnachtsmann gejobbt habe, und manchmal eben auch als Nikolaus – allerdings im identischen Weihnachtsmannkostüm, was mich damals wohl selbst ein wenig verwirrt hat. Jedenfalls war ich an jenem Nikolausabend von einer Gruppe Mütter gebucht worden, die sich regelmäßig trafen, um gemeinsam mit ihren 4 – 6-jährigen Kindern schwimmen zu gehen. Dieses Mal waren sie jedoch nicht zum Schwimmen zusammengekommen, sondern um den Nikolaus zu empfangen, der dummerweise nach dem Öffnen der Haustür zwar gutgelaunt mit seinem Glöckchen bimmelte, allerdings als Erstes voller Inbrunst mit tiefer Stimme die Versammelten mit folgendem Satz begrüßte: Ho, ho, ho, hier kommt der Weihnachtsmann … äh Nikolaus.

Kritische Blicke der Mütter (was haben wir denn da für eine Gurke gebucht). Kein idealer Auftakt, aber die Kinder schienen nichts gemerkt zu haben, sondern starrten mit aufgerissenen Augen auf den dicken, weißbärtigen Mann im roten Mantel oder liefen panisch zurück ins Haus, versammelten sich jedoch alle kurz darauf – manche fröhlich, andere ehrfürchtig distanziert – nach und nach um den Mann, der also der Nikolaus sein sollte und nun auf einem IKEA-Klappstuhl vor ihnen saß und unter seinem Mantel die üppig gepolsterten Klamotten vollschwitzte (was die Kinder natürlich nicht bemerkten).

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bremen, Schnipsel