Zukunftsvision zum Abgewöhnen

Duve-sw

In 15 Jahren ist Olaf Scholz zwar Kanzler, aber ansonsten herrscht in der Bundesrepublik Staatsfeminismus. Die Frauen sind an der Macht, streiten für eine bessere Welt und kontrollieren den CO2-Verbrauch jedes einzelnen Bürgers. Der Klimawandel hat Deutschland dennoch fest im Griff, sodass tropische Temperaturen auch in Hamburg keine Seltenheit mehr sind. So sieht die Zukunft aus – zumindest in Karen Duves neuem Roman „Macht“.

Viele Führungskräfte sind „Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen“, die aufgrund ihrer Raffgier den bevorstehenden Klimakollaps ignorieren und die Menschheit damit um ihre Zukunft bringen. Diese leicht pauschal anmutende Analyse stammt aus Karen Duves Kampfschrift „Warum die Sache schiefgeht“, in der sie vor anderthalb Jahren die Karrierestrukturen der Konzerne, Banken und Parteien anprangerte, da diese so beschaffen seien, dass allein die „raffgierigsten, rücksichtlosesten und niederträchtigsten Charaktere“ diese Positionen erreichten.

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Schlummern im Karton

Regents Channel

Endlose Vorfrühjahrsmüdigkeit, die schon abends um sechs an mir zerrt, mich versinken lässt im weichen Polster eines alten Sessels im Karton, wo ich auf dem Podest, das bei Veranstaltungen als Bühne dient, in der Ecke neben einer großblättrigen Pflanze sitze, deren Namen ich nicht kenne. Zusammen spiegeln wir uns in der großen Scheibe, hinter der der dunkle, frostige Februar lauert, der den kompletten Tag über die Sonne vor uns versteckt hat. In der Spiegelung sehe ich das, was die Passanten auf dem Deich sehen, wenn sie aus dem Abenddunkel in den Karton schauen – ein Ich auf einem Sessel unter den Blättern einer mannshohen Zimmerpflanze, ein Ich mit einem Buch auf dem Schoß und einem Bleistift in der rechten Hand, der immer mal wieder zu Boden fällt, wenn das schläfrige Ich beim Lesen wegdämmert. Ich hingegen erkenne hinter meinem Spiegelbild nur die Silhouetten der Passanten, die Fenster der erleuchteten Büros im Betonklotz gegenüber und die Reflexionen auf dem zittrigen Weserwasser, das nach Bremerhaven fließt. Was will das Wasser eigentlich in Bremerhaven, frage ich mich, ist das ein Sehnsuchtsort oder ein Schicksal für die einzelnen Tropfen, und warum war ich noch nie im Bremerhavener Zoo, obwohl Heinz Sielmann einer meiner Kindheitshelden war, und wieso liegt mein Bleistift schon wieder auf dem Teppich? Ich glaube, es wird Zeit für eine zweite Dosis Koffein, also winke ich der Bedienung zu, und die Bedienung winkt zurück …

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Wort der Woche

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Katastrophenstreichler

 

 

 

 

 

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Spuk auf Sylt

Lebert-sw

Benjamin Lebert versucht sich im Gespenstergenre

Crazy“ heißt das Buch, mit dem der 17-Jährige Schulabbrecher Benjamin Lebert 1999 debütierte. Und ein wenig verrückt war die Erfolgsstory dieses Jugendromans, der noch im selben Jahr fürs Kino verfilmt, in den Folgejahren in 33 Sprachen übersetzt und über eine Million Mal aufgelegt wurde. Inzwischen hat sich der imposant gestartete Jungautor in einen ganz normalen Schriftsteller verwandelt, der alle zwei, drei Jahre ein neues Buch vorlegt. „Mitternachtsweg“ heißt der mittlerweile sechste Roman, in dem Lebert den Geschichtsstudenten Johannes Kielland eine moderne Gespenstergeschichte erzählen lässt.

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Gerüchteküche

 

 

 

 

 

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Warten auf eine Zukunft

Khider-sw

Abbas Khider rechnet mit dem deutschen Asylverfahren ab

Karim Mensy wollte zu seinem Onkel nach Paris, ist jedoch in Dachau gelandet. Gebracht wurde der Iraker in einem Transporter, seine Fahrer haben den Ahnungslosen an einem Wintermorgen in der bayerischen Kreisstadt ausgesetzt. Dachau. Das könnte ungute Assoziationen wecken, allerdings nicht bei Karim, dem der Ort nichts sagt, aber auch alles andere als gefällt – es ist bitterkalt, und seine erste Nacht in Dachau muss er in einer Gefängniszelle verbringen, weil er sich illegal in Deutschland aufhält.

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Wolkenaufreißer

 

 

 

 

 

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Smarter Doppel-Whopper

Zugzisch

ein Mann im Zug mit zwei Smartphones 

das eine zum Texten in der rechten Hand

das andere in der linken Hand am Ohr

zum zeitgleichen Telefonieren 

DIGITAL IST BESSER

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Variante der eigenen Biographie

Ortheil Kind sw

Mit seinem Liebesroman „Das Kind, das nicht fragte“ setzt der Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben Hanns-Josef Ortheil sein großes autobiographisches Schreibprojekt fort: Er erzählt die Geschichte eines kleinen Bruders, der sich in einer sizilianischen Kleinstadt von seiner Vergangenheit zu lösen versucht und dabei die Liebe seines Lebens findet.

Noch bevor Benjamin Merz sizilianischen Boden unter den Füßen hat, befindet er sich mitten auf der Gangway der Passagiermaschine in der ersten peinlichen Situation: Eine Stewardess versucht mithilfe einer Serviette die klebrigen Spuren einer Marzipanorange von seinen Fingern zu entfernen, während ihn „die anderen Fluggäste aus dem Inneren des wartenden Busses so entsetzt anstarren, als wäre gerade ein großes Unglück passiert.“ Um der misslichen Lage zu entfliehen, wickelt er die Serviette „geschickt wie einen Verband“ um seine Finger; die Stewardess schaut ihm „etwas besorgt hinterher“, doch schließlich schafft er es, „den Boden Siziliens ohne weitere Komplikationen zu betreten“.

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Wort der Woche

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Realsatire

 

 

 

 

 

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