Kunstvolle Schlacht ums Kino

kracht-sw

Christian Kracht erzählt in seinem neuen Roman mit Witz von der Kinowelt der 30er

Ob Charlie Chaplin jemals spätnachts schlecht gelaunt und trunken einen japanischen Kinomacher vom Deck eines Dampfers in den Pazifik geschubst hat, ist nicht überliefert, darf jedoch bezweifelt werden. Aber historische Fakten interessieren den Schweizer Schriftsteller Christian Kracht nur bedingt, historische Persönlichkeiten dafür umso mehr. Bereits in seinem viel diskutierten Roman „Imperium“ (2012) tummelt sich allerlei der Zeitgeschichte entliehenes Personal – allen voran der Vegetarier und Nudist August Engelhard, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf Deutsch-Neuguinea dem Kokovorismus huldigte. Und so wie Kracht in dieser Aussteigersatire frei mit den Fakten hantiert und munter dazudichtet, so dienen ihm auch in seinem aktuellen Roman reale Ereignisse und Personen lediglich als Kulisse und Knetmasse für sein verspieltes Werk.

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Literatur mit Hintergrund

globale

Zahlreiche multikulturell geprägte deutschsprachige Autoren und Autorinnen sind in Bremen zu Gast bei der 10. Ausgabe des Literaturfestivals „globale°“

Vor wenigen Wochen hat die Robert-Bosch-Stiftung angekündigt, dass sie nach 2017 nicht mehr wie bisher den Adelbert-von-Chamisso-Preis stiften wird. Dieser Literaturpreis wird seit 1985 an Autorinnen und Autoren verliehen, deren Werk zwar in deutscher Sprache entsteht, deren Muttersprache jedoch eine andere ist. Selbstredend erhoben sich allerlei Proteststimmen nach der Ankündigung; doch so abwegig ist die Entscheidung nicht, denn tatsächlich stellt sich die Frage, ob Autoren nichtdeutscher Sprachherkunft noch einer speziellen Förderung bedürfen. Nicht zuletzt in den vergangenen zehn Jahren hat sich das, was man früher Migrantenliteratur nannte, als ein zentraler Bestandteil der deutschsprachigen Literaturszene etabliert.

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Wort der Woche

fernrohr

 

 

Sommerpause

 

 

 

 

 

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Abschied vom alten Leben

Stamm-sw

Peter Stamm erzählt vom plötzlichen Ausbruch aus der Familienidylle

Astrid und Thomas sitzen an einem Sommerabend auf der Holzbank im Garten vor ihrem Haus und trinken Wein. Gerade erst vor ein paar Stunden ist das Ehepaar aus den Ferien heimgekehrt; die Koffer stehen noch unausgepackt im Flur, dafür liegen die Kinder bereits im Bett. Doch als eines der Kinder quengelt, steht Astrid auf und geht ins Haus. Thomas bleibt allein zurück, sitzt eine Weile einfach nur da und blickt in den Garten hinaus. Als er hört, wie seine Frau die Koffer auszupacken beginnt, stellt er sein Weinglas zur Seite, steht auf, macht ein paar Schritte, öffnet das Gartentor, geht die Dorfstraße hinunter, biegt in den Wald ab und verschwindet.

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Wort der Woche

fernrohr

 

 

Sperenzchen

 

 

 

 

 

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Wehmut allüberall

JudithHermann-sw

Achtzehn Jahre nach ihrem Überraschungserfolg „Sommerhaus, später“ legt das ehemalige „Fräuleinwunder“ Judith Hermann mit „Lettipark“ einen weiteren Erzählungsband vor. Das Personal ihrer Geschichten ist zwar gealtert, aber die melancholische Grundstimmung erinnert stark an ihr Debüt.

Den „Sound einer neuen Generation“ meinte der Literaturkritiker Hellmuth Karasek 1998 in den Erzählungen der damals 28-jährigen Judith Hermann zu erkennen. Seine und die Begeisterung seines Kollegen Marcel Reich-Ranicki halfen dabei mit, dass sich Hermanns Debüt in den folgenden Monaten über 250.000 Mal verkaufen sollte. Im Literarischen Quartett prophezeiten die beiden Kritikerikonen der bis dahin unbekannten Autorin eine große Zukunft. Ob sich diese Prophezeiung inzwischen erfüllt hat, darüber lässt sich streiten. Der plötzliche Erfolg bereitete Hermann damals Probleme beim Schreiben neuer Texte, sie ließ sich fünf Jahre Zeit, bevor sie ihren zweiten Erzählungsband veröffentlichte („Nichts als Gespenster“) und anschließend gar weitere sechs Jahre für ihren dritten („Alice“). Beide Bücher konnten nicht an den Erfolg ihres Erstlings anknüpfen, und auch ihr erster Roman („Aller Liebe Anfang“) wurde sowohl vom Feuilleton als auch von der Leserschaft sehr gemischt aufgenommen. Nun, zwei Jahre nach ihrem Romandebüt, präsentiert sie sich mit „Lettipark“ wieder als Verfasserin der Kurzform.

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Wort der Woche

fernrohr

 

 

Offline-Trolle

 

 

 

 

 

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Gegrüßte Bierbankraucherinnen

Möwenmüll2sw

Ein Müllmann in neongelber Weste mit Sonnenbrille auf der Nase und Fluppe im Mundwinkel, der hinten auf dem Tritt des Müllwagens steht und mit einer lässigen Handbewegung die zwei Frauen grüßt, die rauchend vor der Scheibe des Cafés auf einer Bierbank sitzen.

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Das Leben ist kein Film

ABaum-sw

Antonia Baum schreibt gegen den drohenden Tod ihres Vaters an

Du bist ein Vampir am Bett deines Vaters.“ Mit dieser Selbstanklage konfrontiert sich die Autorin Antonia Baum, nachdem ihr Vater mit dem Motorrad verunglückt ist und sie darüber zu schreiben beginnt. Die Schriftstellerin bangt um ihren schwerverletzten Vater und verarbeitet den Unfall auf eine für sie naheliegende Art: schreibend. Doch wenn eine Autorin zu schreiben beginnt, dann stellt sich – selbst wenn es sich vordergründig um ein therapeutisches Schreiben handeln mag – irgendwann die Frage, ob aus dem Text nicht auch ein Buch werden könnte. Wenn sie aber aus ihrer Familientragödie kreatives Kapital schlägt, ist sie dann nicht eine Art Blutsaugerin, die sich vom Leid der anderen nährt?

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Wort der Woche

fernrohr

 

 

Bewegungsbedürfnis

 

 

 

 

 

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