Schlagwort-Archive: Möwen

Die Zeit zwischen Molenturm & Landmarktower

Molenturm

Sie sitzt im Molenturm, schaut durch eins der kleinen Fenster hinaus. Über der Weser kreisen kreischende Möwen, zanken sich um etwas, das sie nicht erkennen kann. Das ist nun ihr Arbeitsplatz als offizielle Schreiberin der fantastischen Republik Utopistan, die ein Künstlerkollektiv für einen Monat auf der Brache im Europahafen ausgerufen hat. Zwei Wochen lang darf sie schreiben, darf schreiben, was immer sie will – in Utopistan sage einem niemand, was man zu tun oder zu lassen habe, hieß es in der Ausschreibung. An der Kaimauer sitzt ein Angler und raucht eine Zigarette. Am gegenüberliegenden Ufer steigen ein paar Leute vom Anleger auf die Fähre. Sie hatte die Ausschreibung gelesen und gedacht, warum nicht. Zwei Wochen lang im Molenturm sitzen und schreiben. Klang wie ein Traum. Heute ist erst der dritte Tag, die ersten beiden Nächte waren kalt, ihr Rücken schmerzt, der Instantkaffee schmeckt genau so, wie er aussieht. Sie stellt die Tasse auf dem einzigen Stuhl ab, streckt sich, stößt sich den Kopf an der niedrigen Decke, flucht, greift sich einen Kugelschreiber und ihr Notizbuch, in das sie gestern nur ein paar Sätze gekritzelt, die sie später wieder durchgestrichen hat. Sie steckt beides in die linke Manteltasche, öffnet die Tür.

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Gegrüßte Bierbankraucherinnen

Möwenmüll2sw

Ein Müllmann in neongelber Weste mit Sonnenbrille auf der Nase und Fluppe im Mundwinkel, der hinten auf dem Tritt des Müllwagens steht und mit einer lässigen Handbewegung die zwei Frauen grüßt, die rauchend vor der Scheibe des Cafés auf einer Bierbank sitzen.

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15 – Sylt-Festland-Schnipsel – Raucherpause im Nebel

wattenmeer

Noch einmal mit dem Zug an allem vorüberrauschen, am Meer, am Deich, an den Schafen, den Möwen, den Reetdachhäusern; danach über den Bahndamm durchs Wattenmeer gen Festland, wo sich alles im Nebel versteckt – vielmehr als die tristen Kleinstadtbahnhöfe lässt sich dort draußen jenseits der schmuddeligen Scheiben nicht erkennen.

In Heide hat man Zeit, sich das Wenige, was sichtbar ist, in Ruhe anzuschauen – die Regionalbahn legt ganz offiziell eine 6-minütige Raucherpause ein.

Bitte benutzen Sie die dafür vorgesehenen Aschenbecher am Bahnsteig!

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Monolog des Flaneurs

schacht1

Ulrich Schacht blickt beim Insel-Spaziergang zurück

Ein Endfünfziger unternimmt einen Tagesausflug von Reykjavik zu der winzigen Insel Grimsey. Dort spaziert er umher, genießt die Stille, betrachtet die Landschaft und knipst mit seiner Analogkamera Fotos von allem, was ihm interessant scheint. Dazu gehören eine Skulptur auf dem Friedhof, ein Junge, der in einer Pfütze spielt, ein Leuchtturm, Hunderte sterbender Fliegen in einer leerstehenden Kirche, ein Stahlkutter und die toten Möwen, die überall auf der Insel herumliegen. Jedes Motiv regt den Flaneur an zu Reflexionen oder erinnert ihn an Szenen seiner Kindheit. So schweift er nicht nur auf der Insel umher, sondern auch in seiner Gedankenwelt.

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Syltschnipsel 8 – Textarbeit mit Möwen

Rantumer Becken

Jenseits meiner Fensterfront dreht ein Schwarm Möwen am Rande des Rantumer Beckens seine Runden über zwei Scheunen, und dabei leuchtet jedes Mal, wenn sie die Linkskurve fliegen, das Weiß ihres Gefieders in der Morgensonne.

Währenddessen drehe ich diesseits der Fensterfront an meinem Schreibtisch Runden über meinem Text. Hier Sätze streichen, da Textteile umstellen, dort Wörter austauschen. Zwischendurch Grüntee, Schwarztee, Ingwertee.

Draußen kreisen die Möwen über den Scheunendächern. Noch eine Runde. Den kompletten Text leise lesen, laut lesen, noch mal lesen. Zur Unterstützung eine Mandarine, zwei Kekse, drei Mandeln.

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