Monatsarchiv: Mai 2015

Wow-Debüt – Karen Köhler

köhler

Karen Köhler brilliert mit ihrem ersten Erzählungsband

Gleich der erste Text rauscht einem beim Lesen mit Karacho durch die Hirnwindungen, und von dort mitten hinein ins Herz. „Il Comandante“ heißt die Auftakterzählung in Karen Köhlers Debüt „Wir haben Raketen geangelt“. Es ist die Geschichte einer 33-jährigen Krebspatientin, die deprimiert durch die Krankenhausgänge schlurft, bis sie an einem Mittwoch Caesar kennenlernt, den „Popstarparadiesvogelpatientenopa“, der in seinem Rollstuhl jeden Nachmittag grinsend im „Café Bistro“ sitzt und ein Bananensplit verputzt. Der lebensfrohe Caesar, genannt „Il Comandante“, verhilft der Ich-Erzählerin zu neuem Lebensmut. Doch kaum hat sie sich mithilfe ihres neuen Freundes berappelt, da verstirbt dieser überraschend und lässt sie fassungslos zurück.

Ein tieftrauriger Text ist das, und doch zugleich voller heiterer Passagen, die einem beim Lesen laut auflachen lassen. Dieses Changieren zwischen Ernst und Leichtigkeit, zwischen Brutalität und Heiterkeit gelingt der 40-jährigen Köhler in fast allen ihrer neun Erzählungen auf bemerkenswerte Art. Meist überwiegt indes das Düstere; Liebeskummer sowie ein verprügelter Indianer sind noch die mildesten Motive, im Verhältnis zu jenen anderen, die im Buch auftauchen: Alkoholismus, eine versuchte Vergewaltigung, tödliche Unfälle, zwei Selbstmorde, eine Fehlgeburt. Die studierte Schauspielerin ist keine zimperliche Erzählerin, sondern mutet ihrer Leserschaft einiges zu – das allerdings äußerst gekonnt. Stets wird man direkt von den ersten Sätzen geradezu in die Geschichten gesaugt, in denen Köhler mit einem eigenwilligen Sound jeweils eine derart dichte Atmosphäre zu weben versteht, dass man sich dem nur schwer entziehen kann, und auch gar nicht will. Denn bei aller Melancholie, aller Schwere, die diesen Erzählungen innewohnt, schimmert immer auch die Zuversicht und Lebenslust eines Comandante durch. Dieser Erzählungsband ist wahrlich ein Wow-Debüt!

(18.9.2014)

Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt. Hanser, München. 240 Seiten, 19,90 €.

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Urlaub unter Laub

Pfingsten – Urlaub unter Laub … bäumen. Damals auf´m Dorf: mit Freunden Birken gefällt und nachts vor die Fenster der Mädels gestellt (die man toll fand), um am nächsten Tag bei denen auf der Terrasse oder in der Küche Schnaps zu trinken … oder Fanta

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Das Glück des Todes

Steuererklärungen scheinen unter Literaten ein großes Thema zu sein. Der Philosoph, Literaturwissenschaftler & Kulturkritiker George Steiner im Interview mit der ZEIT auf die Frage, woran er denke, wenn er an seinen eigenen Tod denke:

„Dass ich dann keine Einkommensteuererklärung mehr machen muss.“

 

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Tod & Steuern

„Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber eine panische Angst vor der Steuererklärung.“

Wolfgang Herrndorf, bereits im Bewusstsein, dass er nicht mehr lange zu leben habe.

In meinem Bewusstsein:

1) die Tatsache, dass mit dem 31. Mai die Steuererklärungsdeadline näherrückt

2) die Erkenntnis, dass auf meiner To-do-Liste die Steuererklärung täglich übersehen wird

3) viel Sympathie für Herrndorfs Angst

 

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schwarze Milchbrötchen

Kopfsflasterschatten

Der in schwarzem Leder gekleidete Kleiderschrankmann mit kahl rasiertem Schädel, der bei der Bäckereifachverkäuferin im Bahnhof am Tresen steht und ein Milchbrötchen bestellt

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Der Himmel über dem Bonbonhäuschen

Gärten ohne Bonbonhaus

Früher war es noch schöner! Da konnte ich im Winter aus meiner Neustädter Dachbude die Sonne hinter dem Bremer Flughafen versinken sehen. Vor ein paar Jahren entdeckte jedoch ein Investor den verwilderten Garten gegenüber und stopfte die Baulücke mit einem bonbonfarbenen Reihenhaus. Wo früher ein mächtiger Magnolienbaum blühte, ein Igel seine Runden drehte und ein Eichhörnchen von Ast zu Ast hüpfte, ordnet heute hinter einem Gartenzäunchen ein runder Reihenhausbewohner mit Harke und Schaufel sein Blumenbeet, während die dauergewellte Gattin das Weiß der Haustür poliert und ihr Pekinese kläffend und Schwänzchen wedelnd um sie herumtänzelt.

Das alles ist drollig anzuschauen, aber am besten ist es immer noch, von meinem Sessel aus am Bonbonhäuschen vorbei in die grünen Hintergärten und im Winde wippenden Baumkronen zu blicken, dem Vogelgezwitscher und Kreischen der Möwen zu lauschen oder mir die Sommersonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Auch nachts ist der Fensterplatz exquisit: Da schlummert mein Viertel und die Hardenbergstraße streckt sich einsam in die Länge, nur hin und wieder torkelt ein Nachbar, von der Eckkneipe kommend, seiner Souterrainbehausung entgegen und zersingt die Stille, die sonst allein die Kirchturmglocke oder die Trommler vom Werdersee durchbrechen.

Will ich am Tage das Reihenhaus komplett ausblenden, fläze ich mich rücklings auf mein Sofa, lasse das rote Satteldach unter meiner Fensterbank versinken, schaue den Wolkendampfern zu, wie sie über das Blau in den Horizont hinausschippern, und denke mir: Zu Hause ist es doch am schönsten.

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Zwischen irrekomisch und tieftraurig – Joachim Meyerhoff

meyerhoff

Mit warmherzigem Witz blickt Joachim Meyerhoff in seinem autobiografischen Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ auf eine ungewöhnliche Kindheit zurück.

Gleich zu Beginn des Romans steht ein Toter. Genauer gesagt: liegt ein Toter – und zwar im Blumenbeet eines Schrebergartens. Entdeckt hat ihn der siebenjährige Joachim (genannt Josse) auf seinem Schulweg. Der Kleine ist keineswegs erschrocken, sondern fasziniert von dem vornehm gekleideten Körper, der hinter einem Zaun leblos und mit dem Gesicht nach unten zwischen den farbenfrohen Blumen liegt. Nach gebannter Betrachtung der Leiche sprintet Josse los, stürmt in die bereits begonnene Unterrichtstunde und verkündet stolz: „ICH HAB EINEN TOTEN GEFUNDEN!!!“

Es soll nicht seine letzte Begegnung mit dem Tod gewesen sein, von der uns Josse als Ich-Erzähler berichtet; doch nicht alle Begegnung gestalten sich so unbedarft heiter wie diese erste. Bevor es allerdings zu schmerzvolleren Auseinandersetzungen mit dem Tod kommt, weiß der Schauspieler Joachim Meyerhoff in seinem autobiografischen Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ noch allerlei Wunderbares wie Witziges aus dem Leben des jungen Joachim zu erzählen. Und das liegt vor allem an dem Umfeld, in dem Josse aufwächst. Da sein Vater der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Hesterberg im norddeutschen Schleswig ist, wohnt die Familie in einer Villa im Zentrum des Psychiatriegeländes – umgeben von eintausendfünfhundert psychisch Kranken sowie geistig und körperlich Behinderten.

So kommt Josse täglich in Kontakt mit absonderlichen, aber in ihrer Art liebenswerten Menschen. Auf dem Weg zur Schule wird er jeden Morgen am Ausgangstor der Psychiatrie von einem Möchtegern-Pförtner in selbst gebastelter Fantasieuniform mit einem „Ah, wieder ficki-ficki machen?“ begrüßt. Auf den Schultern eines bärtigen Hünen reitet Josse über das Gelände, während sein „Reitriese“ zwei massive Glocken durch die Luft schwingt und mit dem Dauerbimmeln seine Umgebung nervt. Und nachts wiegen die Schreie der Patienten den jüngsten der drei Direktorensöhne in den Schlaf („Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr, allabendliches Brüllkonzert mit großem Orchester (…) Ich liebte dieses Gebrüll, diese Partitur nächtlicher Stimmen.“)

Meyerhoffs Roman hat etwas Episodenhaftes, aber ganz im positiven Sinne, denn jedes der knapp 35 Kapitel kann voll szenischer Kraft wie sprühendem Witz für sich alleine stehen. Gleichzeitig verbinden sich die Einzelteile zur Geschichte einer Familie, der es (entgegen den Wünschen der Mutter) nicht gelingt, ein „normales Leben“ zu führen. Zum Kaffeekränzchen am vierzigsten Geburtstag des Vaters kommen nicht die Verwandten, Freunde oder Arbeitskollegen, sondern die Nachbarn – und das sind die Patienten. Diese Geburtstagsfeier mit ihren außergewöhnlichen Gästen ist eine der lustigsten Passagen im ganzen Buch. Obwohl die Szene ihren Humor aus der sonderbaren Verhaltens- oder Redeweise der Patienten zieht, macht Meyerhoff sich nie lustig über die skurril anmutenden Figuren, sondern erzählt mit einem warmherzigen Witz von dem Zauber, der von ihren Eigenheiten ausgeht. Dabei gelingt ihm auf wundervolle Weise der Wechsel zwischen irrekomischen Szenen (wie der Beerdigung einer Amsel oder dem Klinikbesuch des Ministerpräsidenten Stoltenberg) und tieftraurigen Momenten (die gegen Ende zunehmen).

Bereits mit seinem literarischen Debüt „Alle Toten fliegen hoch. Amerika“ wusste der studierte Schauspieler zu überzeugen – und zwar nicht allein das Publikum, sondern ebenso die Jury der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, die ihn 2012 mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis auszeichnete. Bevor Meyerhoff als Romancier in Erscheinung trat, hatte er sich bereits auf der Bühne einen Namen als Erzähler gemacht. In den Jahren 2006 bis 2009 erzählte er in dem sechsteiligen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ mit großem Erfolg am Wiener Burgtheater aus seinem Leben. Aus diesem Theaterprojekt heraus entwickelte Meyerhoff sein literarisches Debüt, das den Auftakt zu einer Romantrilogie bilden sollte. Nun ist mit „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ der zweite Teil der Trilogie erschienen – wobei dieser ganz unabhängig vom ersten gelesen werden kann.

Wer den Erstling bereits kennt, wird beim Lesen des zweiten Romans das eine oder andere Déjà-vu erleben. Das schadet dem Lesegenuss indes keineswegs, im Gegenteil: Als Leser hat man das Gefühl, sich in einem vertrauten, jedoch stets mit Überraschungen aufwartenden Umfeld zu bewegen. Während Meyerhoff in „Amerika“ von seinem einjährigen Aufenthalt als Austauschschüler in den USA berichtet, erzählt er in seinem neuen Werk vom Heranwachsen an einem sonderbaren Ort und von der Beziehung zu seinem Vater, der heimlichen Hauptfigur des Romans. Dem übergewichtigen Direktor der Psychiatrie kommt die Rolle des tragisch-komischen Helden zu. Einerseits füllt dieser mit einem Universalwissen ausgestattete Bücherwurm seinen Beruf voller Inbrunst kompetent aus, andererseits scheitert er in lebenspraktischen Dingen ebenso regelmäßig wie als Familienoberhaupt oder Gatte. Doch erst am Ende des Buches offenbart sich die ganze Tragik dieses Mannes, wenn der Erzähler in einem Appartment an der Kieler Förde das Doppelleben seines kurz zuvor verstorbenen Vaters aufdeckt.

Diese Entdeckung wirft nicht nur ein anderes Licht auf den Vater, sondern verstärkt abschließend den Eindruck, dass Meyerhoff neben all seinem Sinn für die komödiantischen Momente des Lebens mit genauso viel Feingefühl die Abgründe der menschlichen Existenz auszuloten versteht. Dass er die Balance zwischen diesen beiden Ebenen so famos meistert, zeichnet ihn als talentierten Erzähler aus. Entsprechend gespannt darf man auf das Erscheinen des letzten Teils der Trilogie lauern.

(28.3.2013)

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Alle Toten fliegen hoch, Teil 2. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013. 352 Seiten, 19.99 €.

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LIEBESLÖFFEL

Vor ein paar Tagen traf ich in der Innenstadt zufällig einen ehemaligen Studienkollegen, den ich seit mehreren Jahren nicht gesehen hatte. Früher hatten wir beide oft stundenlang in Kneipen die Köpfe zusammengesteckt, über Projekten gebrütet oder einander von unseren meist armseligen Frauengeschichten berichtet; doch nach dem Studium hatten wir uns peu à peu aus den Augen verloren.

Nun stand er wieder vor mir, trübte meine Wiedersehensfreude jedoch dadurch, dass er mich in ein sonderbar anmutendes Small Talk-Geplänkel verwickelte. Nach einer minutenlangen Oberflächenerkundung kam er schließlich zur Sache und verkündete stolz, dass er vor wenigen Tagen geheiratet habe.

Wir passen wirklich gut zueinander“, sagte er. „Wir benutzen beide beim Frühstück einen Extralöffel für die Marmelade.“

Ich stutzte. In all den Jahren der Partnersuche hatte ich mich auf Kriterien wie Charakter, Intelligenz und Humor konzentriert, darüber hinaus hatten des Öfteren auch Gesicht, Frisur oder Körperbau einen gewissen Einfluss auf meinen Gefühlshaushalt ausgeübt – das Benutzen eines Extralöffels für die Marmelade indes hatte nie eine Rolle gespielt.

Leicht irritiert kommentierte ich den Satz meines Bekannten mit einem spärlichen „Aha“, mehr wusste ich nicht zu sagen. Das schien meinem Gegenüber keine angemessene Reaktion zu sein, jedenfalls musterte er mich kurz, eröffnete mir dann, dass er nun dringend weiter müsse, drehte sich um und schritt davon.

Ich ohrfeigte mich innerlich für mein fehlendes Einfühlungsvermögen; und um zumindest im Nachhinein einen Hauch von Empathie aufzubringen, versuchte ich, mir in einer Art Gedankenexperiment die Situation meines Bekannten bildlich mit liebevollen Details auszumalen, indem ich mir folgendes Szenario zusammenfantasierte:

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Mit Wittgensteins Enten am Werdersee

London banks

Zu Füßen des Huckelrieder Friedhofs schlummerte ich am Deich auf dem Ufergrün des Werdersees über Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus, bis mich laute Rufe und Planschgeräusche aus meinem Nickerchen zurück in die Wirklichkeit jenes Sommerabends zerrten. Ich rieb mir die Augen, schaute aufs Wasser und erspähte hinter dem Schilf eine Horde von Aquazentauren – behelmte Kreaturen jagten auf ihrem schwimmenden Rumpf mit einem Paddel bewaffnet einer neongelben Kugel hinterher.

Ich staunte und fragte mich, was genau diese Kreaturen dort drüben trieben. Auskunft erhielt ich von einem Stockentenpärchen, das sich neben meiner Decke in der Sommerabendsonne wärmte und mir verriet, dass es sich bei den Aquazentauren um ganz gewöhnliche Menschen handle, die sich dem – allen Enten suspekten – Kanupolo widmeten.

Ich dankte den beiden für ihre Auskunft, was ihnen zu gefallen schien, denn sie verfielen in Plauderlaune und berichteten allerlei Werderseeanekdoten von manischen Ruderern, Anglern am Morgen, nacktbadenden Pärchen, Gitarrespielern am Lagerfeuer, nächtlichen Elektropartys, Spaziergängern mit unverschämten Hunden, ausufernden Grillfesten und durch die Gegend flatternden Plastikmüll.

Als ich die zwei um eine abschließende Meinung zu den Werderseebesuchern bat, da verstummten sie – nur der Erpel meinte noch: Wovon man nicht sprechen könne, darüber solle man schweigen! Dann nickten sie mir kurz zu, watschelten Richtung Wasser und verschwanden in der Uferböschung.

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DER SPUCKENDE ZWERG

Es war ein trauriger Tag, als ich in meiner Einzimmerwohnung auf einem Holzstuhl stand. Ich hatte das platt gesessene Sitzkissen heruntergenommen, um nicht darauf auszurutschen. Den Strick hatte ich mit dem einen Ende an einem Dachbalken befestigt, das andere Ende hatte ich zu einer Schlinge gebunden und mir um den Hals gelegt. Der Strick war alt und brüchig; ich konnte nur hoffen, dass er für mein Vorhaben ausreichen würde. Einen besseren Strick hatte ich mir nicht leisten können – auch das Drehbuch meines Abgangs sollte mit der Feder der Armut geschrieben werden. Und das mir, dem vielleicht begnadetsten Poeten unserer Zeit! Glauben Sie mir: Selbst Hölderlin und Nietzsche, meinen von ihrer Zeit verkannten Dichterkollegen, dürfte weniger Leid widerfahren sein als mir.

Mit meinen Armen versuchte ich das Gleichgewicht zu halten, was der Stuhl mit einem spöttischen Knarren kommentierte. Nicht einmal in diesem entscheidenden Augenblicke ward mir Stille gegeben. Des Nachts rumorten die Mäuse auf dem Dachboden und am Tage … an jenem Tage knarrte ein schäbiger Holzstuhl, auf dem ich verharrte, um noch einen letzten Blick auf meinen vergoldeten Bilderrahmen zu werfen, den ich eigenhändig an die Wand genagelt hatte.

Dieser Rahmen umrandete mein Meisterwerk – den Spuckenden Zwerg. Der Spuckende Zwerg war ein Gedicht … Ach, was sage ich: Er war das Gedicht! Der Höhepunkt meines Schaffens!

Damit Sie meinen Stolz besser nachvollziehen können, wäre es an dieser Stelle wohl angebracht, das Gedicht zu zitieren. Also, nun gut:

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