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Sprechblasen-Ego-Show

Im Theater Bremen inszeniert Felix Rothenhäusler im Kleinen Haus „Ödipus“ und „Antigone“ frei nach Sophokles kompakt in einer rasanten Familienaufstellung, in der das Personal einfach nicht die Klappe halten kann.

Auf der Bühne ein kitschig rosafarbener Traum von einem Schlafzimmer. Der Blick geht durch zwei Panoramafenster hinaus auf die Ägäis. Im Zentrum des Zimmers steht ein prächtiges Bett. Darauf haben Platz genommen: Die Königin Iokaste (Verena Reichhardt) im mintfarbenen Kleid und ihre Töchter Ismene (Annemaaike Bakker) – im schwarzen Geschäftsfrau-Dress – und Antigone (Mirjam Rast) im pinkfarbenen Girlie-Look mit Glitzer auf den Wimpern. Die drei sind nicht allein, auch Iokastes Bruder Kreon (Robin Sondermann im blauen Kapuzenpulli mit großem Euro-Logo darauf) und ihr Mann Ödipus (Johannes Kühn mit aufgetürmten Haaren, Stirnband, Multifunktionsweste und Shorts) sind im Raum, stehen mit dem Rücken zu den Fenstern. Das dürfte kein Zufall sein, denn zuerst einmal geht es nicht um die Welt dort draußen, sondern um die Familie im Raum. Entsprechend hat der Regisseur Felix Rothenhäusler in seiner Doppelinszenierung von Sophokles’ berühmten Dramen „Ödipus“ und „Antigone“ sein Personal wie in einer Familienaufstellung angeordnet; und er lässt es die kompletten 70 Minuten exakt in dieser Position verharren wie in einem starren Bild.

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Kunst oder Familie

Das Bremer Theater arbeitet weiter daran, Karl Ove Knausgårds Romanzyklus „Min Kamp“ nach und nach auf die Bühne zu bringen. Die Inszenierung des zweiten Teils („Lieben“) vermittelt eine Ahnung davon, was Millionen von Lesern in den Bann gezogen haben könnte.

Wenn Karl Ove zu erzählen beginnt, dann gibt es kein Halten mehr. Voller Leidenschaft berichtet er von seinem Leben, seinem Schreiben und von Linda, in die sich der eigentlich bereits liierte Schriftsteller während eines Schreibworkshops verliebt hat – und die ihn durch einen Korb in eine existenzielle Krise stürzt. Nichts von seinen Gefühlen, seinen Abstürzen und seiner Scham verschweigt Karl Ove. Alles muss raus!

Der Mann, um den es hier geht, ist natürlich der norwegische Erfolgsschriftsteller Karl Ove Knausgård, der mit seinem sechsbändigen autobiografischen Erzählprojekt „Min Kamp“ zu einer Art Popstar der Literatur avanciert ist und weltweit die Massen fasziniert. Eine Faszination, die auch der Regisseur Frank Abt zu teilen scheint. Nachdem er den ersten Band („Sterben“) von Knausgårds Erzählprojekt in Bremen auf die Bühne gebracht hat, hat nun seine Inszenierung des zweiten Bandes („Lieben“) im Schauspielhaus Premiere gefeiert. Wie schon im ersten Teil setzt Abt auf Reduktion und ein kleines Ensemble. Auf der Bühne sieht man eine schlauchartig enge Wohnung, die sich aus drei Bereichen zusammensetzt (Bühnenbild: Susanne Schuboth). Da ist das Wohnzimmer mit Flügel und Stehlampe zur Linken, die Küchenzeile im Zentrum und zur Rechten der Arbeitsbereich von Karl Ove – ein Tisch und ein Stuhl.

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Laloire schlägt auf

Ulrike Edschmid – 8. März 2018 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

Meine Reihe zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geht ins fünfte Jahr – und damit auch ins letzte Jahr. Nachdem ich bisher bereits 25 Autorinnen und Autoren vorgestellt habe, werde ich in diesem Jahr noch viermal aufschlagen. Los geht´s am 8. März mit der 1940 geborenen Autorin Ulrike Edschmid.

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Laloire schlägt auf

Marion Poschmann – 16. November 2017 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

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Laloire schlägt auf

Lukas Bärfuss – 21. September 2017 um 18 Uhr

Stadtbibliothek Bremen (Krimibibliothek)

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„Das war Theater gegen die Norm“

Der Schauspieler Mateng Pollkläsener im Porträt

Wer das theatre du pain (tdp) kennt, kennt Mateng Pollkläsener. Das ist der mit den großen Augen, den wenigen Haaren auf dem Kopf und dem unglaublichen Repertoire an Grimassen. Das ist der Berserker, der mit einer Motorsäge durchs Publikum marschiert, allein mit weißer Feinrippunterhose bekleidet über die Bühne tanzt oder seinen Ellbogen in einer Pfanne brät. Pollkläsener in einer Show des tdp ist Energie pur. Besucht man den Schauspieler in Hemelingen, wo er seit über 25 Jahren wohnt, dann ist das natürlich ein anderer Pollkläsener, der einen willkommen heißt und auf der Terrasse seines Hauses Latte macchiato und Kuchen auftischt. Vitalität strahlt der 56-Jährige hier allerdings nicht minder aus, wenn er sogleich schwungvoll zu erzählen beginnt – von seiner Kindheit im nordrheinwestfälischen Wiedenbrück, den Torten seines Vaters, den Stullen der Mutter, den ersten Bühnenerfahrungen beim Gemeindekarneval und den Rolling-Stones-Tonbändern seines vier Jahre älteren Bruders Uli. „Uli war mein musikalischer Vorreiter“, sagt Pollkläsener. Der Bruder war es dann auch, der ihn später nach Paderborn lockte. Nachdem er seine Tischlerausbildung abgeschlossen hatte, meldete er sich im Paderborner Erwachsenenkolleg an, um sein Abitur nachzuholen, zog bei seinem Bruder ein und sang nebenbei in dessen Straßenband, die sich vor allem durch ihre schräge Performance auszeichnete. „Da habe ich meine Liebe zu verrückten Dingen entdeckt“, sagt Pollkläsener heute, „uns war nichts zu peinlich.“

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Buchte-Boogie

Agitpop-Nächte in der Buchte. Tanzen bis es im Jugendhaus bei den Naturfreunden im Keller von der Decke tropft. Nie vor elf da sein, an der Kasse einen Soli zahlen und im Sommer so lange bleiben, bis es draußen wieder hell wird. Dazwischen abzappeln, trinken, kickern, palavern, vor den Klos Schlange stehen und draußen vor dem Amtsgericht Zigaretten rauchen und über Politik oder Musik diskutieren. Oft die gleichen Gesichter, viele Trainingsjacken und Kapuzenpullis, die immer selben Leute, die einen am Kickertisch abfertigen und manchmal stundenlang am Tisch stehen – als gäbe es hier nichts anderes zu tun. Zwischendurch mit Freunden auf der Treppe sitzen, den anderen beim Tanzen zuschauen, in den Beamerprojektionen versinken oder sich bei aufgedrehter Mucke gegenseitig anschreien und das Geschrei Gespräch nennen. Irgendwann kein Bier oder Wein mehr bestellen, sondern in den Morgen hinaustorkeln, mit etwas Glück an der Domsheide die Nachtlinie Richtung Huckelriede erwischen, in der Bahn die Augen schließen und erst wieder in Arsten öffnen, wenn der Fahrer einem auf die Schulter klopft, „Endhaltestelle!“ sagt und auf die am gegenüberliegenden Gleis wartende Straßenbahn zeigt: „Damit geht´s zurück!“

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In the Huckelriede Undergrowth

So there it is, barely three hundred yards from my front door, behind the dyke the first International Huckelriede Kiosk Festival. My neighbourhood hosting an international event?

I’m standing on the dyke top with the scruffy, neglected playground and Buntentorsteinweg, the main road, behind me and, before me, the Kleine Weser, the narrow southern arm of the large river that divides our city. On the grass below me is the familiar old kiosk hut, from which, however, nothing has been sold for over a year, but into which new life has now returned. And: it’s enjoying company for a few days four other kiosks, lots of long beer tables and benches, sun loungers, bales of straw and a tepee, in which the Huckelriede singer-songwriter is sitting and playing his guitar.

‘What’s that supposed to be?’ asks a man with a pair of nineteen-fifties glasses on his nose and a poodle on a lead. I shrug my shoulders and reply, ‘Art, probably.’ He gives a brief sniff, has a good look round and turns to me again. ‘Art?’ I nod; he shakes his head.

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Eine englische Filminsel in Bremen

Das Geniale am Leben ist, dass man zu Anfang nicht den blassesten Schimmer hat, welche Volten es schlägt und wohin es einen führt. Allerlei Wendungen hat das Leben für Frank Mc Girr bereitgehalten. Als er vor 48 Jahren in einem kleinen Nest an der rauen Nord-Atlantik-Küste Irlands das Licht der Welt erblickte, war sicherlich nicht abzusehen, dass er eines Tages in einer norddeutschen Volkshochschule einen „English Film Club“ ins Leben rufen würde.

Inmitten von 20 Teilnehmern steht Mc Girr im Tanztheaterraum der VHS und wirft eine Frage in die Runde. Schnell entspinnen sich innerhalb von Zweierteams Gespräche auf Englisch. Im Laufe der kommenden 90 Minuten werden verschiedene Themen angeschnitten, die alle mit dem Film zusammenhängen, der in der folgenden Woche im Filmclub läuft. Mc Girr horcht in die Gespräche hinein, schaltet sich hier und da ein und führt die Dialoge schließlich in einer großen Runde zusammen. Er hält die Fäden in der Hand, treibt die Diskussionen voran, wählt die Filme aus, schickt den Kursteilnehmern per E-Mail Material zur Vorbereitung. Der Filmclub ist sein Baby.

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Wiener Hofgespräche

 

Am späten Abend im Wiener Hofcafé ist selbst die Dame hinterm Tresen voll – die zwei Gäste vor dem Tresen sowieso. Ein Vollbärtiger mit rot leuchtender Kartoffelnase philosophiert mit schwungvoller Brummbärstimme über Sinn und Unsinn von Flaschenbier im Glas, zieht sein T-Shirt am Bund ein paar Zentimeter in die Höhe und präsentiert seiner Sitznachbarin auf dem Barhocker neben ihm seine nackte Wampe mit einem Grinsen, das zwei oder drei Zahnlücken preisgibt. Die Frau, die bestimmt zehn oder fünfzehn Jahre jünger als der vermutlich schon sechzigjährige Bauchbesitzer sein dürfte, nickt anerkennend.

Da steckt wohl ein Kleinwagen drin.“

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