NEO – Magazin für urbanes Leben

 

„Bremens größter Stadtteil, die Neustadt, wird zu einem Ort, in dem das Leben tief durchatmet. Ideen sprießen, neue Läden, Bars und Restaurants eröffnen, und der Stadtteil wird zum urbanen Raum. Die unterschiedlichsten Menschen suchen ihr Glück links der Weser. Die Gentrifizierung schreitet voran. Noch nimmt die Subkultur sich ihren Raum. Manche befürchten, dass Alteingesessene durch erhöhte Mieten verdrängt werden könnten – andere hoffen auf ein harmonisches Zusammenleben und schaffen soziale Räume.

Dies ist NEO. NEO ist neu, frisch, aber auch ungewöhnlich und vielseitig. NEO will die Entwicklung der Neustadt zum Schauplatz urbanen Lebens als Verstärker begleiten. NEO will Kultur unterstützen, will bewegen und Geschichten erzählen, möchte Menschen und Projekte vorstellen mit Ideen für den Stadtteil. NEO mag Musik, Theater, Literatur und Kunst. Unser Magazin verbindet Zeitgeist mit Zeitlosigkeit, Punk mit Straßenrap, Pop mit Literatur und ein stilvolles Design mit hochwertigen Texten, Fotos und Illustrationen. Alles links der Weser. In dieser ersten Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Machen, Sehen, Hören, Gucken, Genießen, Treffen, Kennenlernen und Träumen der Neustadtmenschen.“

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Eingeordnet unter Blog, Bremen

Sprechblasen-Ego-Show

Im Theater Bremen inszeniert Felix Rothenhäusler im Kleinen Haus „Ödipus“ und „Antigone“ frei nach Sophokles kompakt in einer rasanten Familienaufstellung, in der das Personal einfach nicht die Klappe halten kann.

Auf der Bühne ein kitschig rosafarbener Traum von einem Schlafzimmer. Der Blick geht durch zwei Panoramafenster hinaus auf die Ägäis. Im Zentrum des Zimmers steht ein prächtiges Bett. Darauf haben Platz genommen: Die Königin Iokaste (Verena Reichhardt) im mintfarbenen Kleid und ihre Töchter Ismene (Annemaaike Bakker) – im schwarzen Geschäftsfrau-Dress – und Antigone (Mirjam Rast) im pinkfarbenen Girlie-Look mit Glitzer auf den Wimpern. Die drei sind nicht allein, auch Iokastes Bruder Kreon (Robin Sondermann im blauen Kapuzenpulli mit großem Euro-Logo darauf) und ihr Mann Ödipus (Johannes Kühn mit aufgetürmten Haaren, Stirnband, Multifunktionsweste und Shorts) sind im Raum, stehen mit dem Rücken zu den Fenstern. Das dürfte kein Zufall sein, denn zuerst einmal geht es nicht um die Welt dort draußen, sondern um die Familie im Raum. Entsprechend hat der Regisseur Felix Rothenhäusler in seiner Doppelinszenierung von Sophokles’ berühmten Dramen „Ödipus“ und „Antigone“ sein Personal wie in einer Familienaufstellung angeordnet; und er lässt es die kompletten 70 Minuten exakt in dieser Position verharren wie in einem starren Bild.

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Zukunft ohne Netz

In Josefine Rieks‘ Romandebüt „Serverland“ ist das Internet abgeschaltet worden – was das konkret für die Gesellschaft bedeutet und wie eine Welt ohne Internet aussehen könnte, bleibt dabei offen.

Eine Welt ohne Internet ist heutzutage nur noch schwer vorstellbar, dabei kannte vor gerade einmal 25 Jahren kaum jemand das World Wide Web. Vielleicht wäre es also auch denkbar, dass in 25 Jahren das Internet wieder von der Bildfläche verschwunden sein wird. Genau dies ist die spannende Ausgangsidee in Josefine Rieks‘ Debüt „Serverland“. In einer undatierten Zukunft (die vermutlich um das Jahr 2050 herum liegen dürfte) ist das Internet längst wieder Vergangenheit. Nach einem weltweiten Referendum Anfang der 2020er Jahre hat man das Internet abgeschaltet und komplett stillgelegt. Für die Jugendlichen in dieser Zukunft sind Google, Facebook, Instagram, YouTube und Co folglich verblichene Namen aus weit zurückliegenden Zeiten.

Warum genau eine Mehrheit dafür war, das Internet wieder abzuschaffen, erfährt man leider nicht, denn der Fokus in Rieks Roman liegt offensichtlich woanders. Im Mittelpunkt steht der Computer-Nerd Reiner, der bei der Post arbeitet und ausgemusterte Laptops sammelt – und zwar in einer Welt, in der Computer keine relevante Rolle mehr spielen. Reiner bastelt an den Geräten herum, um Computerspiele zocken zu können.

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Kunst oder Familie

Das Bremer Theater arbeitet weiter daran, Karl Ove Knausgårds Romanzyklus „Min Kamp“ nach und nach auf die Bühne zu bringen. Die Inszenierung des zweiten Teils („Lieben“) vermittelt eine Ahnung davon, was Millionen von Lesern in den Bann gezogen haben könnte.

Wenn Karl Ove zu erzählen beginnt, dann gibt es kein Halten mehr. Voller Leidenschaft berichtet er von seinem Leben, seinem Schreiben und von Linda, in die sich der eigentlich bereits liierte Schriftsteller während eines Schreibworkshops verliebt hat – und die ihn durch einen Korb in eine existenzielle Krise stürzt. Nichts von seinen Gefühlen, seinen Abstürzen und seiner Scham verschweigt Karl Ove. Alles muss raus!

Der Mann, um den es hier geht, ist natürlich der norwegische Erfolgsschriftsteller Karl Ove Knausgård, der mit seinem sechsbändigen autobiografischen Erzählprojekt „Min Kamp“ zu einer Art Popstar der Literatur avanciert ist und weltweit die Massen fasziniert. Eine Faszination, die auch der Regisseur Frank Abt zu teilen scheint. Nachdem er den ersten Band („Sterben“) von Knausgårds Erzählprojekt in Bremen auf die Bühne gebracht hat, hat nun seine Inszenierung des zweiten Bandes („Lieben“) im Schauspielhaus Premiere gefeiert. Wie schon im ersten Teil setzt Abt auf Reduktion und ein kleines Ensemble. Auf der Bühne sieht man eine schlauchartig enge Wohnung, die sich aus drei Bereichen zusammensetzt (Bühnenbild: Susanne Schuboth). Da ist das Wohnzimmer mit Flügel und Stehlampe zur Linken, die Küchenzeile im Zentrum und zur Rechten der Arbeitsbereich von Karl Ove – ein Tisch und ein Stuhl.

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Kermani. Ein Plädoyer für den Dialog – Buchmessensplitter III

Navid Kermani plädiert für den Dialog. Die Haltung, man wisse alles besser und die anderen müssten auch so werden, verstärke letztlich nur die Abwehr. So werde man nicht zusammenkommen. Er bricht eine Lanze fürs Zuhören und den Austausch und sagt von sich: „Ich bin viel neugieriger auf die, die nicht meiner Meinung sind als auf jene, die sowieso die gleiche Meinung haben.“

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Die Žižek-Show. Für eine neue Linke und gegen das Glück – Buchmessensplitter II

Wenn Slavoj Žižek auf dem Blauen Sofa erst einmal loslegt, kommt der Moderator kaum noch zu Wort. Ständig in Bewegung, auf dem Sitz hin- und herrutschend, mit dem Oberkörper vor- und zurückwippend und mit den Armen wild gestikulierend gibt der Philosoph den Alleinunterhalter. Glaube und Sex hätten eine Gemeinsamkeit, sagt er, beide strebten nach dem Höchsten. Munter teilt er gegen die Linke und die sozialdemokratischen Parteien Europas aus, die es aufgrund ihres neoliberalen Kurses ermöglicht hätten, dass rechte Populisten ihre Ideen klauen konnten. Der Aufstieg der rechten Parteien sei eine Folge des Scheiterns der Linken. Es brauche eine neue Linke. Da kann man noch ganz gut mitgehen. Sind ja auch nicht so ganz neu diese Thesen.

Doch gegen Ende des 30-minütigen Monologs läuft Žižek so richtig heiß, antwortet auf die rasch eingeworfene Zwischenfrage des Moderators, was er vom Glück halte: „Ich bin absolut gegen das Glück.“ Die Suche nach dem Glück sei nicht sinnvoll, sie sei eine Kategorie für Feiglinge. „Sie werden mich vermutlich für einen Nazi halten, aber ich würde diese ganzen Bücher über das Glück verbrennen.“ Und dann legt er – mit seiner Lust an der polemischen Provokation – nach: „Ich bin gegen Goebbels, aber weil er die falschen Bücher verbrannt hat.“

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Sperrige Literatur. Nicht für jedermann! – Buchmessensplitter I

Nachdem die Bahn mich mit knapp anderthalbstündiger Verspätung und doppeltem Zugwechsel am Helmstedter Bahnhof in Leipzig abgesetzt hat, ist die Preisverleihung auf der Buchmesse bereits gelaufen. Zumindest die letzten 10 Interview-Minuten der Preisträgerin Esther Kinsky (in der Kategorie Belletristik) auf dem Blauen Sofa bekomme ich noch mit. „Hain. Geländeroman“ wurde also ausgezeichnet.

Tatsächlich hatte ich vorab auf Kinsky getippt, obwohl ich es vorab noch nicht gelesen hatte. Aber es schien mir – nach allem, was ich darüber gelesen und gehört hatte – ein Buch, für das sich eine Jury begeistern könnte. Ein schwieriges, ein sperriges Buch, das nicht für jeden sei und dass man langsam lesen müsse, hieß es von Seiten der Jury dann auch.

Mal schauen, ob man damit die abhanden gekommenen Leser*innen zurückgewinnen kann. Beherrschendes Gesprächsthema wird dieser Geländeroman in den kommenden Wochen vermutlich nicht sein. Und genau das sei ein Problem, meint der Soziologe Heinz Bude während eines Gesprächs auf der Messe: „Das Buch ist kein Konversationsthema mehr“.

 

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